Startseite Religionsfreiheit Den Islam erklären

Wortwolke

islam frauen verbot frau

Powered by RafCloud

Social Bookmarks

Add to: Mr. Wong Add to: Webnews Add to: Icio Add to: Oneview Add to:  FAV!T Social Bookmarking Add to: Favoriten.de Add to: Seekxl Add to: Social Bookmark Portal Add to: BoniTrust Add to: Power-Oldie Add to: Bookmarks.cc Add to: Newskick Add to: Newsider Add to: Linksilo Add to: Readster Add to: Yigg Add to: Linkarena Add to: Digg Add to: Del.icoi.us Add to: Reddit Add to: Simpy Add to: StumbleUpon Add to: Slashdot Add to: Netscape Add to: Furl Add to: Yahoo Add to: Blogmarks Add to: Diigo Add to: Technorati Add to: Newsvine Add to: Blinkbits Add to: Ma.Gnolia Add to: Smarking Add to: Netvouz Add to: Folkd Add to: Spurl Add to: Google Add to: Blinklist Information
Social Bookmarking
204396
Den Islam erklären PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Religionsfreiheit
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 11. Mai 2006 um 13:15 Uhr

Auf der Home Page "Islam.de" des Zentralrates der Muslime in Deutschland versucht derzeit eine Muslima den Islam erklären, genauer die Pflicht, einen Vollschleier zu tragen ( Alles Burka oder was?). Dort heißt es gleich unter der Überschrift: "Die Vollverschleierung ist weder islamisch eine Pflicht noch gesellschaftlich geboten".

So weit, so schlecht; denn wie kann der kleine Zentralrat der Muslime in Deutschland, der nur einen Bruchteil der Muslime vertritt, sich anmaßen, eine solche Erklärung abzugeben?

Man stelle sich einmal vor, der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, in dem Baptisten- und Brüdergemeinden beheimatet sind, würde in einer Erklärung schreiben, "Die Kindestaufe ist weder christlich eine Pflicht noch gesellschaftlich geboten". Das wäre wohl ziemlich schräg - ebenso wenn umgekehrt die Evangelische Kirche in Deutschland sich in entsprechender Weise über die Gläubigentaufe äußern würde.

So kann auch der Zentralrat allenfalls für sich selbst und die (wenigen) von ihm vertretenen Mitglieder sprechen, aber nicht von "dem Islam". Es gibt, auch in Deutschland, mehr als genug Muslime, für die eine Vollverschleierung der Frauen empfehlenswert ist, wenn nicht sogar eine Pflicht.

Niemand darf Muslimen erklären wollen, was ihr Glaube ist - auf keinen Fall Nichtmuslime, auch nicht der Zentralrat oder ein anderer Dachverband. Zum freiheitlichen Verständnis von Religion und Bekenntnis gehört eben auch, daß man selbst entscheiden darf, was einem verboten oder erlaubt ist.

Immerhin kommt dem Zentralrat, der seit langem für das Kopftuch streitet, die Burqa-Affäre gelegen. Wo nun ganz Deutschland auf zwei angebliche Burqas schaut (die in diesem speziellen Fall tatsächlich eine Kombination aus dem langen Mantel namens Abaya und dem Gesichtsschleier namens Niqab sind, was aber keinen allzu großen Unterschied macht), stehen die Kopftuchbefürworter plötzlich besser da als je zuvor. Plötzlich wird das Kopftuch allerorten salonfähig. Es ist ja scheinbar gegenüber der Burqa oder auch dem Niqab die "bessere" Alternative. Für die Kopftuchbefürworter ist die Burqa-Affäre also ein Glücksfall: Das Kopftuch ist nun weit leichter zu haben als je vorher.

Allerdings dürften die Erklärungen des Zentralrates gegen die Vollverschleierung noch Probleme aufwerfen - mehrere Mitgliedsverbände des Zentralrates sehen den Vollschleier zumindest als empfehlenswert an, und in diesen Kreisen trägt so manche Frau tatsächlich zeitweilig oder ständig einen Gesichtsschleier. Sollte die Kopftuchdebatte, die dank der Burqa-Affäre schneller als je zuvor im Sinne der Kopftuchbefürworter gelöst werden dürfte, im Großen und Ganzen ihr Ende gefunden haben, wird die Vollschleierdebatte beginnen. Der Zentralrat dürfte dann auf die Burqa-Äußerungen des Jahres 2006 verwiesen werden - und sich dann mächtig ärgern, diese Äußerungen jemals getätigt zu haben.

Allerdings bejaht der oben verlinkte Artikel schon jetzt den Gesichtsschleier: "Natürlich haben sie ein Recht, in der Öffentlichkeit außerhalb der Schule den Niqab zu tragen".Eine Einschränkung zwar, aber grundsätzlich hält man sich den Weg zum Vollschleier offen. Ein deutlicher Hinweis, daß diese Debatte noch ins Haus steht. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Der Artikel enthält noch einen weiteren Hinweis auf eine zukünftige Debatte. In dem schön komplizierten Satz "Der Gender-Gerechtigkeit entsprechend müsste also zumindest teilweise der monoedukative Unterricht durchbrochen werden" (!) steckt schon der noch gut versteckte Ansatz für eine Forderung nach einem getrennten Unterricht - zumindest für Muslime. In einem getrennten Unterricht freilich wird auch das Thema Vollschleier keine Rolle mehr spielen: In einer reinen Mädchenklasse braucht ein muslimisches Mädchen keinen Gesichtsschleier zu tragen.  Es wäre also ein guter "Mittelweg" (siehe auch "Deshalb plädiere ich für den 'Mittelweg', den Weg, mit dem ich nicht auffalle, weil das genau das ist, wie ich ein islamisches Auftreten in der Öffentlichkeit verstehe").

Noch ein paar Worte zur Burqa-Affäre. Da haben also zwei (zwei!) junge Frauen beschlossen, fortan einen Gesichtsschleier zu tragen. Daraufhin ist an der betreffenden Schule der Schulfrieden gestört, und die beiden jungen Frauen müssen vom Unterricht suspendiert werden. Zwei Stücke Stoff, jeweils ein paar Zentimeter im Quadrat, die die untere Hälfte des Gesichtes bedecken, sind in der Lage, an einer Schule den Schulfrieden zu stören? Wenn das so ist, dann stimmt an dieser Schule etwas nicht. Und die zweiwöchige Suspendierung löst diese Probleme auch nicht. Die LehrerInnen und die SchülerInnen (und die Politiker und noch viele andere Leute) haben noch einiges an Arbeit vor sich.

Noch ein Wort zum Thema Schuluniform, das jetzt natürlich wieder allerorten diskutiert wird: Nein.

Im Prinzip habe ich nichts gegen Schuluniformen. Sie hätten sicherlich eine ganze Menge Vorteile. Aber eine Schuluniform ist doch nicht geeignet, um die derzeit grundlegenden Probleme an Schulen zu lösen. Das wäre doch nur ein Feigenblatt. Erstens ist es mittlerweile einfach zu spät, um Schuluniformen in einem vernünftigen Rahmen einzuführen und allen Beteiligten gerecht zu werden. Zweitens wüßte jeder, daß es nichts anderes als eine radikale Maßnahme gegen den Islam ist, sich zudem gegen etwas richtet statt eine positive Rolle in der Gestaltung des Schulalltags zu spielen. Drittens könnte eine Schuluniform gerade solchen Mädchen schaden, die aus einem streng religiösen Elternhaus und Umfeld stammen, sich persönlich gegen verhüllende Kleidung und Kopftuch wehren - und dann  plötzlich gedrängt sein könnten, eine mögliche "islamische" Variante einer Schuluniform mit langem Rock, langen Ärmeln und Kopftuch tragen zu müssen (denn eine einheitliche Schuluniform für alle SchülerInnen, egal ob muslimisch oder nicht, ist mittlerweile ohnehin undenkbar, da sich die Wege bereits zu weit voneinander entfernt haben). 

Zurück zu Niqab und Burqa im Umfeld einer Schule. Was derzeit als eine der größten Bedrohungen des Unterrichts wahrgenommen wird, ist ein Sturm im Wasserglas. Wir reden von einer Minderheit muslimischer Mädchen und Frauen, für die es aus religiösen Gründen empfehlenswert oder auch geboten erscheint, das Gesicht zu verschleiern. Um das berühmte Thema "man muß das Gesicht doch sehen können" ein wenig zurecht zu rücken: Es gibt erheblich mehr LehrerInnen und SchülerInnen, die Prosopagnostiker, also gesichtsblind sind: Jeweils zwei von hundert. Für die jedes Gegenüber einen mehr oder weniger undurchsichtigen Gesichtsschleier trägt. Aus prosopagnostischer Sicht ist die "man muß das Gesicht sehen können"-Aufregung wegen der Gesichtsschleier eine lahme Ente. Eine Hand voll Gesichtsschleier kann das deutsche Schulwesen bei vielen Tausend Gesichtsblinden sicherlich gut verkraften. Daß andererseits zwei Gesichtsschleier eine Panik auslösen und man sogar von der afganischen Burqa spricht und an die Taliban denkt, zeigt mehr als deutlich, daß unsere Gesellschaft jeden Bezug zur Realität verloren hat und daß die Angst ein Stück der Gesellschaft zerfressen hat.

Es wäre besser, wir würden die Ruhe bewahren. Und würden nicht wegen dieses Sturmes im Wasserglas das Ende des Friedens und den Untergang unseres Gesellschaft befürchten.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 14:57 Uhr
 

Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie die Verhaltensregeln, die allgemeinen Nutzungsbedingungen, die Erklärung zum Datenschutz und den Haftungsausschluß im Impressum.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß Ihr Kommentar erst vom Webmaster freigeschaltet werden muß, um unerwünschte Werbung zu verhindern. Die Freischaltung erfolgt so schnell wie möglich.

AdministrationXML Sitemap