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Bundestagspräsident spricht sich für Kopftuchverbot aus PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Religionsfreiheit
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 24. November 2005 um 12:34 Uhr

Präsident des deutschen Bundestages, Norbert Lammert (CDU), spricht sich für Kopftuchverbot aus und betont Bedeutung der "christlich-abendländischen Tradition"

Der Präsident des deutschen Bundestages, der CDU-Abgeordnete Norbert Lammert, hat sich im November 2005 laut Berichten in den Medien für ein Kopftuchverbot ausgesprochen und in diesem Zusammenhang auf entsprechende Verbote in sog. islamischen Ländern wie der Türkei verwiesen. Gegenüber der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" erklärte Lammert, "wenn das in einem islamisch geprägten Land zulässig ist, kann es doch in einem christlich geprägten nicht von vornherein abwegig sein". Zugleich betonte Lammert die Bedeutung der "christlich-abendländischen Tradition in Deutschland" und erklärte, der Einfluß christlicher Religionsgemeinschaften und Glaubensüberzeugungen auf unsere Gesellschaft bleibt fundamental".

Die Äußerung eines deutschen Bundestagspräsidenten gegen das Kopftuch ist ein trauriger Höhepunkt der "Kopftuchdebatte". Unisono reiht Lammert sich in den Chor derer ein, die zudem auf "christlich-abendländische Traditionen" verweisen - dabei freilich völlig außer Acht lassend, daß das Kopftuch ja bis vor wenigen Jahren ganz selbstverständlich zu eben dieser Tradition gehörte, noch heute von Nonnen (aber auch vielen Bräuten) oder auch von Mitgliedern nicht weniger christlicher Gemeinschaften getragen wird - und in vielen Ländern heute noch zur Ausstattung christlicher Frauen in Alltag und Gottesdienst gehört. Folgt man der traditionellen Auslegung der bekannten Schleier-Predigt des Apostels Paulus (1. Korinther 11), so hat eine Frau entweder einen Schleier zu tragen oder sich den Kopf kahl zu scheren. "Nacktheit" ist in der christlichen Tradition jedenfalls nicht vorgesehen.

Zu den christlichen Traditionen sollten auch Werte wie Religionsfreiheit gehören - und daß man, dem göttlichen Vorbild nach 1. Samuel 16,7 folgend, nicht auf das schaut, was vor Augen ist - etwa ein Kopftuch -, sondern in die Herzen. Gäbe es in Deutschland noch einen fundamentalen Einfluß der christlichen Religionsgemeinschaften und vor allem Glaubensüberzeugungen, wie Lammert behauptet, so gäbe es sicherlich keine unselige "Kopftuchdebatte". Leider aber ist dieser Einfluß minimal, wird auch entschieden bekämpft, fiel diesem Kampf auch bereits das christliche Kopftuch weitgehend zum Opfer und verschwand aus der Öffentlichkeit. Doch es scheint, als brodele es unter der Oberfläche noch immer, und das islamische Kopftuch wird nun ebenso bekämpft, wie einst das christliche Kopftuch bekämpft wurde. Was im Zuge der 68er "tausendjährige" christliche Einflüsse zurückdrängte und konservative christliche Einstellungen als lächerlich brandmarkte, macht heute vor dem islamischen Kopftuch kein Halt. Und wer als Christ dies unterstützt, sollte sich in einmal ernstlich fragen, ob er damit nicht an dem Ast sägt, auf dem er selbst sitzt.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 15:01 Uhr
 

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