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Österreich: Universität verbietet Schleier PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - News
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 29. September 2010 um 12:35 Uhr

Die Medizinische Universität Graz (MUG) hat einem  Bericht in der Kleinen Zeitung zufolge ein teilweises Verbot der Gesichtsverschleierung für muslimische Studentinnen erlassen. Diese dürfen zwar die Vorlesungen mit Schleier besuchen, aber nicht an Prüfungen, Seminaren und praktischen Übungen teilnehmen.

Die MUG verschleiert das Burkaverbot für Studentinnen mit "fachlichen Erwägungen", bei denen bezweifelt werden darf, ob sie einer genauen Prüfung standhalten. Die in dem Bericht genannten Begründungen sind eher unbefriedigend. Angeblich gehe es nicht um eine "religiöse Bewertung", doch auch das wird zumindest im genannten Bericht nicht überzeugend dargelegt.

Immerhin stellt das Kopftuch an der MUG kein Problem dar, wenn man dem Bericht Glauben schenken darf.

 

Kommentare  

 
# Ärztinnen nur ohne Schleier?Michael Molthagen 2010-09-29 12:41
Warum eigentlich sollte eine Ärztin nur dann für ihre Tätigkeit geeignet sein, wenn sie keinen Schleier trägt?

Ich mag da als Prosopagnostike r, der mit dem Gesicht seines Gegenübers ohnehin nicht wirklich etwas anfangen kann, etwas naiv sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß die ärztliche Behandlung leidet, wenn eine Ärztin verschleiert ist (für mich ist das sozusagen der Normalzustand).

So wie ich das sehe, haben allein einige Patienten ein Problem mit der Vorstellung, sich von einer verschleierten Ärztin behandeln zu lassen. Und dem sollte man nun wirklich nicht ohne Not nachgeben.

Falls jemand mit harten Fakten belegen kann, daß die medizinische Behandlung leidet, wenn die Ärztin verschleiert ist, ohne daß die Patienten mehr oder weniger gegen den Schleier eingestellt sind, lasse ich mich gerne überzeugen. Aber diese Fakten fehlen m.E., und die Begründung ist nur vorgeschoben.

Problematisch wäre es, wenn eine Ärztin sich im normalen Alltag eines Krankenhauses oder einer Praxis aus religiösen Gründen weigert, männliche Patienten zu behandeln.
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# FrageGast 2010-09-30 15:23
Inwieweit sehen Sie eigentlich einen Unterschied zwischem dem Tragen eines schwarzen Niquab bzw. Hijjab - also im Wesentlichen dem Symbol des Wahhabismus und dem öffentlichen Tragen einer SA-Uniform? Letztlich steht der Wahhabismus dem Grundgesetz um nichts näher als der Nationalsoziali smus. Er ist durch und durch Demokratie- und Menschenrechtsf eindlich und zielt auf die Auslöschung des jüdischen Volkes. Schlicht, die Antithese zum Grundgesetz. Warum soll man dessen Symbole öffentlich tragen dürfen?
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# RelativierungMichael Molthagen 2010-09-30 15:38
zitiere clemens:
Inwieweit sehen Sie eigentlich einen Unterschied zwischem dem Tragen eines schwarzen Niquab bzw. Hijjab - also im Wesentlichen dem Symbol des Wahhabismus und dem öffentlichen Tragen einer SA-Uniform? Letztlich steht der Wahhabismus dem Grundgesetz um nichts näher als der Nationalsoziali smus. Er ist durch und durch Demokratie- und Menschenrechtsf eindlich und zielt auf die Auslöschung des jüdischen Volkes. Schlicht, die Antithese zum Grundgesetz. Warum soll man dessen Symbole öffentlich tragen dürfen?


Diese Relativierung der Greuel des NS-Regimes durch den Vergleich mit dem Schleier ist ja nun keinesfalls angebracht.

Zudem steht erstens nicht jede sich verschleiernde Frau dem Wahhabitentum nahe, zweitens ist auch das Wahhabitentum keine homogene Bewegung, sondern in sich höchst heterogen. Eine pauschale Verurteilung ist nichts anderes als sozialer Rassismus.

Letztlich gilt in Deutschland immer noch die Unschuldsvermut ung - auch für sich verschleiernde Frauen. Das ist nun einmal ein Grundprinzip unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Wie dem auch sei, ich kenne genügend verschleierte Frauen, die unsere FDGO bejahen, um hier gegen jeden Generalverdacht immun zu sein.

Und vergessen Sie nicht: Der Schutz durch die Religionsfreihe it ist nichts, was man sich erst mit vorbildlicher Staatstreue verdienen müßte, keine Medaille für Verdienste um die Verfassung.

Wie dem auch sei - ich weiß darum, daß etliche "Islamisten" unsere Gesellschaftsfo rm samt FDGO ablehnen, darunter auch viele verschleierte "Islamistinnen". Die freilich sind mehr oder weniger ein "Produkt" des Okzidents und seiner in gewisser Hinsicht neokolonialisti schen Einflußnahme im Orient - sie sind kein Produkt des Islam. Ohne "uns" gäbe es keine Islamisten (und ohne die Politisierung der Verschleierung insbesondere durch das ägyptische Regime gäbe es auch kein "politisches Symbol Niqab").

Natürlich lehne ich das Handeln dieser Kreise ab, natürlich auch in Bezug auf den bei ihnen häufigen Antisemitismus - aber trotzdem kann man die Religionsfreihe it nicht aussetzen, schon gar nicht, wenn nicht differenziert, sondern pauschal verdächtigt und verurteilt wird.
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# KlarstellungMichael Molthagen 2010-11-11 16:38
Offenbar hat es die "Kleine Zeitung" nicht ganz so dargestellt, wie wirklich geschehen, wenn man diesem Artikel in Profil Online Glauben schenkt:

profil.at/.../...

"Der (...) Grazer Vizerektor Reibnegger will 'an diese Geschichte' heute nicht mehr erinnert werden. Erstens gebe es gar kein Burka-Verbot, und zweitens wisse er nicht, wie das alles in die Medien gekommen sei. In Wahrheit habe man schon vor einem halben Jahr intern darüber gesprochen, wie vorzugehen wäre, wenn sich dieses Problem einmal stellt. Irgendjemand habe das dann in schwer verfälschter Form der 'Kleinen Zeitung' gesteckt. Und nein, er selbst habe an der MedUni noch nie eine Burka-Trägerin gesehen, sagt Vizerektor Reibnegger. Die Debatte sei damals nach einem Hinweis von Professor Josef Egger, Leiter der Universitätskli nik für Psychologie, erfolgt. Professor Egger bestätigt das - mehr will er aber nicht mehr dazu sagen. 'Das ist derart aufgebauscht worden, dass jedes Wort eines zu viel wäre.'"
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