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Eine häufige Frage ist: Was sieht frau eigentlich durch einen Schleier? Wieviel sieht sie?
Um den Blick durch den Schleier ein wenig nachzubilden, habe ich meine Kamera eingesetzt und drei verschiedene Schleier - zwei vom Typ eines Niqab sowie eine Burqa - vor das Objektiv gehalten.
Das menschliche Auge hat zwar eine Brennweite von da. 17mm, doch das, was wir tatsächlich visuell wahrnehmen, entspricht in etwa einer Kleinbildoptik von 50mm.
Um das nachzubilden, habe ich eine entsprechende Optik verwendet (sog. "Normalbrennweite").
Da meine Kamera einen Crop-Faktor von 1:1.6 hat, habe ich, um die 50mm annähernd zu erreichen, eine 30mm-Optik eingesetzt (30mm x 1.6 = 48mm).
Da das menschliche Auge darüber hinaus im Bereich von ca. 1:2 bis 1:11 abblenden kann, habe ich keine Blenden unter 1:2.8 oder über 1: 8 verwendet, in diesem Bereich aber teilweise variiert.
Die Schleier liegen jeweils auf dem Objektiv auf (ohne Streulichtblende), also nicht direkt auf der Bildebene (dem Sensor), sondern in einer Entfernung von 104 mm, fokussiert habe ich auf das Straßenschild etwa in der Bildmitte.
Die Bildgröße habe ich reduziert (auf etwa ein Viertel), das Bildformat entspricht mit 3:2 in etwa dem menschlichen Blickfeld. Die Belichtung erfolgte manuell und ist nicht optimiert. Das Bild wurde vom 3. Obergeschoß aus aufgenommen.
Die Testreihe beginnt mit einem Niqab, dessen Augenöffnung etwa 2-3 cm breit ist:

Die Blende beträgt hierbei 1:2.8 (geringe Schärfentiefe). Von dem Schleier ist hier fast nichts zu sehen, nur eine leichte Vignettierung im oberen Bereich.
Nach diesem ersten Niqab nun ein paar Fotos mit einem zweiten Niqab, dessen Augenöffnung mit 1,8-2,5 cm etwas schmaler ist, außerdem hat er einen Nasensteg:

Die Blende beträgt hier wie auch beim vorigen Bild 1:2.8 (geringe Schärfentiefe).
Mit Blende 1:5.6 (größere Schärfentiefe) sieht der Blick durch den Schleier aus wie folgt:

Und mit Blende 1:8 (größte Schärfentiefe):

Noch ein paar Worte zu dem Nasensteg: Wer Brillenträger ist, weiß natürlich, daß man jenen Bereich zwischen den Augen so gut wie nicht wahrnimmt. Und bei der Brille ist dieser Bereich ja viel breiter als der Nasensteg eines Schleiers.
Zum Schluß habe ich noch eine rote Burqa als Testobjekt verwendet. Sie ist ein Billigprodukt aus Fernost, wie sie etwa in Afghanistan leider zunehmend von armen Frauen getragen werden muß, obwohl sie von minderer Qualität ist - gerade auch im Bereich des Sichtgitters, das bei teureren Modellen feiner gearbeitet ist und eine bessere Sicht ermöglicht.
Erst mit Blende 1:2.8, dann 1:8 (erst geringe, dann große Schärfentiefe):


Natürlich sind diese sechs Fotos nur eine Nachbildung - sie können nicht vermitteln, wie der Blick durch den Schleier tatsächlich ist (keine Kamera kann zudem nachbilden, wie wir tatsächlich mit unseren Sehapparat sehen - Augen und Gehirn sind Meisterwerke der Evolution, wenn es darum geht, die Welt um uns herum visuell wahrzunehmen, gerade auch dann, wenn wir beim Sehen Einschränkungen unterliegen).
Wer wissen will, wie es ist, durch den Schleier zu schauen, kommt freilich um einen Selbstversuch nicht herum. Ich hoffe aber, daß diese auf die Schnelle aufgenommenen Bilder einen ersten Eindrck vermitteln können. Der wohl am meisten den tatsächlichen Bildeindruck verfälschende Faktor ist die Entfernung zwischen dem Sensor der Kamera und dem Schleier; dieser beträgt immerhin 10,4 cm. So weit ist kein Schleier von der Netzhaut seiner Trägerin entfernt.
Übrigens habe ich einmal spaßeshalber meine Brille mit dem zuerst verwendeten Niqab verglichen. Meine Brille ist maximal 3 cm hoch; legt man die Brille über die Augenöffnung des zuerst verwendeten Niqab, so ist die Augenöffnung des Niqab sogar etwas größer als meine Brille, vor allem in der Breite. Mit diesem Niqab hat frau ein größeres Blickfeld als ich mit meiner Brille (ohne die ich blind bin wie ein Fisch im Wasser).
Man darf ja auch im Hinblick auf den Niqab, also den Schleier mit Sehschlitz, nicht vergessen, daß der Schleier direkt auf dem Gesicht aufliegt, fast unmittelbar auf dem Auge. Unsere Pupille, mit der wir ja sehen, hat einen Durchmesser von durchschnittlich 1,5 bis 8 mm, je nachdem, wie stark wir "abblenden". Das bedeutet, daß ein eng anliegender Schleier, dessen Sehschlitz beispielsweise 20 mm groß ist, die Öffnung der Pupille bei weitem nicht abdeckt.
Das sind zwar nur Rechenbeispiele, zeigt jedoch, daß es einen gewissen "Spielraum" gibt, der das Sehen auch durch einen Schleier ermöglicht und die verschleierte Frau üblicherweise nicht blind umherstolpern läßt.
Noch ein letzter Hinweis: Die Bilderreihe zeigt den nachgebildeten Blick durch einen Schleier auf ein relativ weit entferntes Objekt - wäre das betrachtete Objekt näher, würde die Testreihe anders ausfallen. Ich wollte aber bewußt einen "Straßenblick" nachbilden, nicht aber beispielsweise das Lesen eines Buches.
Technische Hinweise: Zum Einsatz kam eine Canon EOS 7D mit einem Sigma EX 30mm F1.4 DC HSM (wegen Crop-Faktor 1,6 ca. 48 mm verglichen mit dem Kleinbild-Format). Manuelle Belichtung und Fokussierung, keine Belichtungskorrektur oder Schärfung in der Kamera. Entfernung der Schleier zur Bildebene (Sensor): ca. 10,4 cm. EBV der JPG-Dateien: Größenänderung auf 1500 x 1000 unter Beibehaltung des Bildformates 3:2, kein Crop, teilweise Reduzierung der Helligkeit, nachgeschärft.
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