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Im Großen und Ganzen scheint es zwei Meinungen zu geben, wie Männer auf das Äußere einer Frau reagieren:
Entweder meint man, Männer könnten sich beim Anblick freizügiger Kleidung, nackter Haut und erotischer Kleidung nicht beherrschen und müßten geradezu zwangsläufig über die betreffenden Frauen herfallen, so daß Frauen sich eher zurückhaltend, bedeckend kleiden sollten, sie anderenfalls sogar eine gewisse Mitschuld tragen.
Oder man meint, Männer seien durchaus in der Lage, sich zusammenzureißen, wenn sie freizügig gekleidete Frauen oder viel nackte Haut sehen, sie müßten nur wollen und bereit sein, Frauen mit Respekt zu begegnen. Anderenfalls müßten die Männer eben Augenbinden tragen, aber man könne von den Frauen nicht verlangen, daß sie sich wegen dieser Männer zurückhaltend kleiden.
Im Großen und Ganzen hat erst einmal die zweite Meinung Recht: Männer, die geistig und körperlich gesund und gut erzogen (bzw. erfolgreich sozialisiert) sind, können sich tatsächlich zusammenreißen und beherrschen, auch wenn sie einer Frau begegnen, die ihr reizvolles Äußeres "vorteilhaft", möglicherweise sogar provozierend präsentiert, viel nackte Haut zeigt, bewußt "sexy" daherkommt.
Sie finden die Frau attraktiv, möglicherweise sexy - aber ihr Verstand setzt nicht aus, wird nicht von den Genitalien übersteuert. Sie sehen die Frau immer noch als gleichwertiges, gleichberechtigtes Gegenüber - nicht als Sexobjekt. Sie sind fähig, der Frau mit Respekt zu begegnen, ihre Würde nicht zu verletzen.
Wie gesagt, es gibt zwei Voraussetzungen: Gesundheit und eine Erziehung, die dazu führt, daß man Frauen mit Respekt behandelt. Ohne diese Voraussetzungen können sich Männer nicht beherrschen.
Immerhin: Auch wer "verzogen" worden ist, etwa zu einem "Macho" verzogen worden ist (womit der Tatbestand sexueller Mißhandlung durch sexuelle Verwahrlosung erfüllt ist), kann diese Prägung überwinden.
Grundsätzlich aber gilt: Ja, heterosexuelle Männer reagieren auf freizügig gekleidete Frauen, auf nackte Haut. Sie tun das auch dann, wenn sie gesund sind (anderenfalls wären sie nicht unbedingt gesund) und gut erzogen (anderenfalls wären sie vielleicht falsch erzogen, und wir hätten es möglicherweise wieder mit sexueller Verwahrlosung zu tun).
Daß es so ist, daß Männer reagieren, ist ganz normal - und nichts Schlechtes. Das ist nichts, weswegen sich irgend jemand schämen müßte - weder der reagierende Mann noch die diese Reaktion auslösende Frau. Niemand muß sich schuldig fühlen.
Männer reagieren nicht auf jede Frau gleich - selbst wenn man ihnen ein Dutzend gleichermaßen freizügig gekleidete Frauen gegenüberstellt, werden sie auf einige Frauen stärker reagieren, auf andere weniger.
Und sie werden auch auf weniger freizügig gekleidete Frauen reagieren; denn was bei Männern sexuelle Reaktionen auslöst, ist nicht allein der Anblick nackter Haut, offenen Haares, betonter Rundungen usw. (wenn dies auch einen Schwerpunkt bildet).
Was Männer tatsächlich "anmacht" ist ein komplexer Mix aus verschiedenen Sinnesreizen - und interessanterweise bilden Gerüche einen starken Reiz für unser Interesse am anderen Geschlecht. Ohne daß wir es merken, finden wir Menschen mit einem bestimmten Geruch attraktiver als andere, selbst wenn diese im Aussehen nicht zu unterscheiden wären. Auch Farben wirken als Reize. Bei gleichermaßen freizügiger Kleidung wirken gewisse Farben reizvoller als andere.
Freizügige Kleridung jedenfalls - und dazu zählen beispielsweise auch blickdichte, aber knallenge Leggings unter kurzen figurbetonten Oberteilen - hat ihre eigene Wirkung: Männer finden die so gekleidete Frau attraktiv, möglicherweise sexy.
Möglicherweise aber werden wir Männer dann ein schlechtes Gewissen haben, weil wir halt auf diese Reize reagieren. Wir werden uns möglicherweise mies fühlen, schuldig, "sündig". Letzteres kann etwa da passieren, wo der Anblick einer freizügig gekleideten Frau in einer der Reihen vor uns im Gottesdienst dazu führt, daß wir kaum der Liturgie oder der Predigt folgen können, bei den Gebeten oder beim Abendmahl abgelenkt sind. Oder wo wir das Gefühl haben, unserer Ehefrau untreu zu werden, wenn auch nur in Gedanken (nach dem Motto, "wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat die Ehe gebrochen in seinem Herzen").
Diese Gefühle mögen so unnötig sein wie der obige Bibelvers falsch verstanden wird - sie sind dennoch für bestimmte Männer real und dann in der Regel auch schmerzhaft.
Es ist aber ein Problem ausschließlich der Männer - die Frauen können weder etwas dafür noch müssen sie ihr Verhalten ändern. Sie müssen sich nicht zurückhaltend kleiden (es würde auch nicht dazu führen, daß das Problem der betreffenden Männer gelöst wird, es schiebt nur die Schuld und die Verantwortung auf die Frauen ab und zementiert respektloses Verhalten der Männer Frauen gegenüber).
Ohnehin kann auch die umfassendste Verschleierung sexuelle Reize nicht vollständig blockieren.
Männer jedenfalls, die sich bei freizügig gekleideten Frauen nicht beherrschen können, können das in der Regel bei keiner Frau, ganz egal wie sie gekleidet ist. Sie mögen die freizügige Kleidung als Entschuldigung vorschieben, aber das ist eine (Selbst-) Lüge. Diese sexuell verwahrlosten, darum mißhandelten Männer haben kein Problem mit freizügiger Kleidung oder nackter Haut, sondern vor allem mit (Ohn-) Macht. Sie behandeln alle Frauen respektlos, egal ob diese nun freizügig oder zurückhaltend gekleidet sind. Allenfalls behandeln sie den Schleier respektvoll, aber die Frau darunter erfährt Respekt nur als die (austauschbare) Trägerin des Schleiers. Sie wird zum Objekt.
Diesen Männern hilft es nicht, wenn Frauen sich zurückhaltend kleiden (und das würde Frauen auch nicht davor schützen, von diesen Männern sexuell belästigt oder gar vergewaltigt zu werden). Diese Männer brauchen tatsächlich professionelle Hilfe; denn sie sind nicht nur Täter, sondern auch selbst Opfer. Sie wurden meist in der Kindheit sexuell mißhandelt, weil sie in diesem Bereich verwahrlost sind. Daraus folgt bei Erwachsenen dann oft die Neigung zu sexuellen Übergriffen, die man mit bedeckender Kleidung nicht in den Griff bekommt, sondern nur mit einer wirksamen Therapie.
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