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Bei den sogenannten Slutwalks geht es eigentlich vor allem um eines: Darauf aufmerksam machen, daß der sexualisierende Blick auf das weibliche Geschlecht das eigentliche Problem ist. Erst dieser Blick macht Frauen zu "Schlampen", dieser Blick erleichtert es Männern, Frauen zu vergewaltigen, ist die Grundlage aller Schuldzuweisungen an vergewaltigte Frauen.
An diesem "Internationalen Niqab-Tag" möchte ich auf die drei problematischen Blicke auf verschleierte Frauen aufmerksam machen:
- Der kriminalisierende Blick - die verschleierte Frau unter Generalverdacht
- Der viktimisierende Blick - die verschleierte Frau als unfreiwillige Mandantin selbst ernannter Opferanwälte
- Der sexualisierende Blick - die verschleierte Frau als Sexobjekt
Der kriminalisierende Blick
Verschleierte Frauen geraten hierzulande nicht selten unter einen Generalverdacht - Fundamentalismus, Extremismus, Islamismus, Terrorismus, Gotteskriegerinnen, al-Qaida, Taliban. Kaum ein Artikel oder Buch zu einem dieser Themen, das ohne eine verschleierte Frau auf dem Titelbild auskommt.
Hinter vielen Argumenten zugunsten eines Burkaverbotes steht ein Generalverdacht gegen verschleierte Frauen, werden diese Frauen kriminalisiert. Angeblich ist die Öffentlichkeit nur sicher, wenn verschleierte Frauen keinen Zutritt zu ihr haben.
Und natürlich dürfen auch Schuldzuweisungen nicht fehlen: Wegen ihnen scheitert die Integration, wegen des Schleiers sind sie auf dem Arbeitsmarkt unvermittelbar, wenn sie attackiert werden, haben sie den Angriff mit ihrer Verschleierung provoziert.
Der viktimisierende Blick
Zugleich gibt es nicht wenige selbst ernannte Opferanwälte, die verschleierte Frauen aus ihrer Unterdrückung befreien wollen - ob sie es wollen oder nicht. "Und willst du nicht aus dem Stoffgefängnis raus, mußt du ins Gefängnis rein."
Verschleierte Frauen seien unterdrückt, würden zur Verschleierung gezwungren - und wenn sie beteuern, dem sei nicht so, dann sind das halt die Folgen einer Gehirnwäsche. Noch nie etwas vom Stockholm-Syndrom gehört?
Wie nah Viktimisierung und Kriminalisierung beieinander liegen, erkennt man daran, daß etwa Frankreich und Belgien ihre Burkaverbote, die ja angeblich dem Schutz der Frauen dienen, mit Geldstrafen versehen.
Der sexualisierende Blick
Der sexualisierende Blick auf das weibliche Geschlecht - zentrales Thema der Slutwalks - ist kein Alleinstellungsmerkmal des Westens. Ihn gibt es auch im Orient, in den Ländern der islamischen Welt. Aber um den soll es hier nicht gehen, sondern um die okzidentale Variante, die aus dem Schleier ein "Ganzkörperkondom" macht, die beim Schleier sofort an orientalische Erotik und Bauchtanz denkt - aber auch an unterdrückte Frauen fern jeder sexuellen Selbstbestimmung.
Der westliche Blick auf die islamischen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts ist voller Mißverständnisse - und reduziert die muslimischen Frauen auf Sexobjekte. Dabei darf natürlich die Klage nicht fehlen, daß der Schleier diese Frauen dem Zugriff westlicher Männer entzieht. Daß man eigentlich nur dicke Frauen verschleiern sollte. "Mann" hat schließlich ein Recht darauf, Frauen zu begaffen. "Deren Männer" machen das mit "unseren" Frauen ja schließlich auch, aber "ihre Frauen" verbergen sie hinter Stoff oder gar hinter der Haustür. Es wird wohl niemand bezweifeln, daß nicht wenige Forderungen nach einem Burkaverbot genau hier ihre wahren Wurzeln haben - ein sexualisierender Blick auf das weibliche Geschlecht, blockiert durch die " Burka".
Fazit
Der kriminalisierende, viktimisierende und sexualisierende Blick auf verschleierte Frauen ist eine frauenfeindliche, menschenverachtende Trias. Er ist nichts, was man einfach unter den Teppich kehren dürfte - zumal nahezu jedes Argument zugunsten einer Einschränkung oder gar eines Verbots der Verschleierung hierauf beruht (der Rest ist dann Rechtspopulismus und Stimmenfang im rechten Lager).
Leider finden wir diese Blicke auch unter denen, die für die Emanzipation der Frauen kämpfen. Hier gibt es offenbar eine Art Konkurrenzsituation zwischen dem westlichen, eher atheistisch geprägten Feminismus und der muslimischen Variante. Möglicherweise spielt hier auch Neid eine entscheidende Rolle - Neid, weil muslimische Frauen mit Schleier weniger unglücklich erscheinen als so manche westliche "Kampfemanze".
Für die Rechte der Frauen einzutreten muß auch beinhalten, das recht muslimischer Frauen zu respektieren, sich zu verschleiern und einen religiösen Weg zu gehen.
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