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Hat nicht die Kairoer al-Azhar-Universität, deren Großscheich die höchste Autorität des sunnitischen Islam darstellt, die komplette Verschleierung abgelehnt und für unislamisch erklärt?
Dem ist in der Tat so.
Tatsächlich hat der mittlerweile verstorbene Muhammad Sayyid Tantawi, Großscheich der al-Azhar-Universität, Imam der al-Azhar-Moschee und Großmufti Ägyptens, nicht nur die Verschleierung des Gesichts muslimischer Frauen abgelehnt, für unislamisch erklärt und an der von ihm geleiteten Universität verboten, sondern auch das Kopftuchhverbot für französische Schülerinnen befürwortet.
Sowohl Tantawi als auch sein Nachfolger Ahmad Muhammad al-Tayyib waren dem mittlerweile abgesetzten Mubarak-Regime in Ägypten, das sie ja auch in Amt und Würden eingesetzt hatte, treu ergeben.
Tantawi wurde über die Grenzen Ägyptens hinaus bekannt als "as-Sajjid bil-OK", als "Mann des Okay", weil er immer wieder gerade auch beim Volk unbeliebten Entscheidungen des Mubarak-Regimes sein Okay gegeben hatte.
Die Äußerungen dieser Autoritäten in der Kopftuch- und Burkadebatte entsprachen je und je den Wünschen des Regimes, die den Gesichtsschleier als politisches Symbol karikiert hat.
Wer sich heute in diesen Fragen auf die Position der al-Azhar der letzten Jahrzehnte beruft, sollte bedenken, in welche Nähe er damit gerät. Nachdem das Mubarak-Regime Geschichte ist, sollten auch die Positionen der al-Azhar zu Kopftuch und Burka als Dokumente der Vergangenheit unter einem die Menschenrechte verletzenmden despotischen Regimes betrachtet werden.
Man kann sich jetzt nicht aus dem "Nachlaß" des untergegangenen Mubarak-Regimes heraussuchen, was man noch für nützlich erachtet und gerne beibehalten möchte. Der Westen hat das Mubarak-Regime zu lange kritiklos unterstützt und ungeachtet aller Menschenrechtsverletzungen davon profitiert, um so vorgehen zu können.
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