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Religionsfreiheit: Kopftuch PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Häufige Fragen
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 13. Oktober 2009 um 18:34 Uhr

Ist das Kopftuch islamischer Frauen von der Religionsfreiheit gedeckt?

Ich habe gehört, im Koran ist vom Kopftuch oder gar vom Schleier gar nicht die Rede, und ich bin überzeugt, daß das Kopftuch für viele Muslime eher eine politische als eine religiöse Bedeutung hat.

Außerdem ist das Kopftuch doch ein Zeichen für Rückständigkeit, Unterdrückung und mangelnden Integrationswillen.  

Ein einzelner Muslim oder eine Gruppe von Muslimen hat das Recht, frei eine Glaubensüberzeugung zu bilden, nach der das Tragen des Kopftuches für Frauen wünschenswert, empfohlen oder vorgeschrieben ist. Sie dürfen dafür frei einstehen und ebenso frei dafür werben - und natürlich dürfen muslimische Frauen aufgrund dieser Glaubensüberzeugung das Kopftuch tragen. Das würde sogar dann gelten, wenn sie mit dieser Glaubensüberzeugung ausdrücken wollten, daß sie unfrei, rückständig und unterdrückt sind, sich nicht integrieren wollen und einer bestimmten religiös begründeten politischen Überzeugung anhängen. Es darf nur niemand gezwungen werden, dieser Glaubensüberzeugung zuzustimmen bzw. als Frau, aufgrund dieser Glaubensüberzeugung ein Kopftuch tragen zu müssen. Außerdem darf mit dem Kopftuch keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer verbunden sein. 

Wo eine Kopftuch tragende Muslima darin eine politische Überzeugung sieht, ist das völlig in Ordnung - es zählt hier allein die religiöse Überzeugung, die sich mit einer politischen Überzeugung verbindet. 

Und ja, im Koran wird das Kopftuch nicht ausdrücklich genannt. Für den Islam ist aber der Koran nicht die einzige Quelle für die Ausgestaltung von Glauben und Leben - ebenso werden etwa die auf Muhammad zurückgehenden Traditionen und Aussprüche beachtet, Analogieschlüsse und der Konsens der Gläubigen. Und dort wird das Kopftuch sehr wohl genannt und fließt darum in muslimische Glaubensüberzeugungen ein.

Die westliche Sicht auf das Kopftuch als Zeichen von Unfreiheit, Unterdrückung, Zwang und Rückständigkeit ist freilich eine verzerrte Sicht, die viel mit unserer eigenen Geschichte zu tun hat. Wir sollten nicht von uns auf die Muslime schließen - damit werden wir ihnen nicht gerecht (und uns auch nicht). 

Für viele junge Muslimas, die etwa zwischen der Türkei als ihrem Herkunftsland und Deutschland als ihrer jetzigen Heimat stehen und weder wirklich zur Türkei noch zu Deutschland gehören, ist das Kopftuch als Ausdruck ihrer Identität als Muslima von großer Bedeutung. Es gibt ihnen Freiheit von dem Kampf zwischen dem "Türkischen" und dem "Deutschen", es gibt ihnen eine Identität, die über diesen beiden widerstreitenden Polen steht, es befreit sie von dem Zwang, sich für Deutschland oder die Türkei entscheiden zu müssen. Hier hat das Kopftuch nichts mit Unfreiheit, Zwang, Unterdrückung, Rückständigkeit usw. zu tun. (Das gilt natürlich nicht nur für Kopftuch tragende Muslimas mit türkischen Wurzeln, sondern auch für solche aus anderen Ländern.)

Auch der Integration muslimischer Frauen steht das Kopftuch nicht im Weg. Leider ist es aber so, daß sich so mancher Deutsche schwer tut, sich auf eine Kopftuch tragende Frau einzulassen - aber Integration ist nun einmal keine Einbahnstraße von "ihnen" zu "uns", sondern ebenso geht es darum, daß wir uns auf die Muslime zu bewegen, auch wenn es sich unm Kopftuch tragende Frauen handelt. Meiner Meinung nach hemmt das Kopftuch mehr uns bei der Integration - und weniger die muslimischen Frauen, die es tragen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 30. April 2010 um 13:33 Uhr
 

Kommentare  

 
# kopftuchGast 2011-02-15 23:00
ich verstehe nicht, wie einige leute NUR etwas hören und es dann so verbreiten können. habt ihr denn schon mal im koran gelesen? wenn nein, woher wisst ihr, dass da nichts über das Kopftuch steht? Sure 24, 32:
"...und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihren Schmuck nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon sichtbar sein darf, und dass sie ihre Tücher über ihre Busen schlagen sollen..."
oder Hadith, Abu Davud, Libas 34: Aisa erzählt: „Esma, die Tochter von Abu Bakr besuchte den Propheten, wobei sie ein leichtes (durchsichtiges ) Kleid trug. Der Prophet (der Friede sei mit ihm) wendete sich ab und sagte: „Esma, wenn eine Frau die Pubertät erreicht, darf von ihrem Körper nichts sichtbar sein, außer dies und dies!“ Dabei zeigte er auf sein Gesicht und seine Hände.
wie kann man jetzt noch behaupten, dass von dem KOpftuch nichts im koran stehen würde? oder bin ich die einzige, die das so versteht?? außerdem finde ich den gedanken genauso blöd, wenn man denkt, dass eine frau unterdrückt und keinen willen für integration hat, nur weil sie bedeckt ist.in dieser frau steckt genauso viel menschlichkeit drin so wie in jeder anderen auhc ohne kopftuch. und von rückstädnigkeit möchte ich erst gar nichts hören, denn es gibt genug leute ohne kopftuch, die noch nicht mal eine schulausbildung haben. wogegen die frauen mit kopftuch studiert und sich richtig weiterentwickel t haben...
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# Artikel gelesen?Michael Molthagen 2011-02-16 10:33
Hallo Eva,

haben Sie den Artikel, den Sie kommentieren, überhaupt richtig gelesen? Ehrlich gesagt, bezweifle ich das.

zitiere eva:
ich verstehe nicht, wie einige leute NUR etwas hören und es dann so verbreiten können. habt ihr denn schon mal im koran gelesen? wenn nein, woher wisst ihr, dass da nichts über das Kopftuch steht? Sure 24, 32:
"...und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihren Schmuck nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon sichtbar sein darf, und dass sie ihre Tücher über ihre Busen schlagen sollen..."


Im Artikel heißt es: "im Koran wird das Kopftuch nicht ausdrücklich genannt". Ausdrücklich - also mit eben diesem Ausdruck. Und der kommt auch an dieser Stelle nicht vor.

Und der:

Zitat:
oder Hadith, Abu Davud, Libas 34


Ist eben ein Hadith, steht ergo nicht im Koran, gilt zudem unter Gelehrten auch als schwach überliefert.

Zitat:
wie kann man jetzt noch behaupten, dass von dem KOpftuch nichts im koran stehen würde?


Das habe ich, siehe oben, nicht behauptet.

Zitat:
außerdem finde ich den gedanken genauso blöd, wenn man denkt, dass eine frau unterdrückt und keinen willen für integration hat, nur weil sie bedeckt ist.


Wo wird dieser Gedanke im Artikel positiv geäußert?

Ich finde es schade, daß Sie den Artikel offensichtlich nicht wirklich gelesen haben.

Ich rufe immer wieder dazu auf, nicht über Kopftuch tragende oder verschleierte Frauen zu sprechen, sondern mit ihnen - aber das hier ist nun wirklich kein Beispiel für einen gelungenen Dialog, tut mir leid, das so deutlich sagen zu müssen.


Grüßle,

M. Molthagen
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