Sehr häufig liest man die beiden Begriffe „Burka und Niqab“ in dieser Form - „Burka“ mit /k/, „Niqab“ mit /q/.

Die arabischen Begriffe werden in DMG-Schreibweise nach DIN-Norm 31635 beide mit einem /q/ geschrieben: „Burqa' und Niqāb“. Das sind allerdings keine deutschen Schreibweisen.

In die deutsche Schriftsprache wird das /q/ aus der albanischen, arabischen, hebräischen oder kurdischen Sprache in der Regel mit einem /k/ übernommen: „Burka und Nikab“. Der Buchstabe /k/ wird wie das deutsche „k“ ausgesprochen, auch wenn der zugrundeliegende arabische Buchstabe eher in der Kehle gebildet wird.

Weithin unbekannt ist, dass es auch in Deutschland eine Tradition der Gesichtsverschleierung gibt: Bei den Sorben in Sachsen.

Hier gibt es die Tradition vom „Bscherkind“ (sorbisch Janšojski bog) oder auch Christkindel (sorbisch Bože dźěćetko), das einen Gesichtsschleier aus weißer Spitze und weiße Handschuhe trägt. Zur Tradition gehört auch, dass das verschleierte Mädchen nicht sprechen darf. Insgesamt gibt es jedes Jahr acht Bscherkinder.

Daneben gibt es in Wittichenau auch noch die Tradition der „Swjata Borbora“, der heiligen Barbara, die ebenfalls mit Gesichtsschleier und Handschuhen auftritt (und vermutlich älter als das Bscherkind ist).

Wer heute an Nonnen denkt, denkt an einen Habit mit langem Schleier, der aber nicht das Gesicht bedeckt. Darin sieht man einen der wichtigen Unterschiede zwischen dem Habit der Nonnen und der „Burka“ der muslimischen Frauen.

Das war aber nicht immer so. Im Mittelalter trugen die Nonnen zumindest zu bestimmten Gelegenheiten auch einen Gesichtsschleier, und bei den Karmelitinnen (Schwestern des Ordens der Allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel) war das auch in Deutschland noch bis in die 1970er Jahre so, wenn sie auf Nichtangehörige der Gemeinschaft (mit Ausnahme der Eltern oder Geschwister) trafen. Erst seit etwa 40 Jahren ist der Gesichtsschleier bei ihnen kein Teil der Tracht mehr.

Dieser Gesichtsschleier ähnelt weniger dem Nikab der Muslimas als vielmehr einem Sitar, wies also keine Öffnung für die Augen auf.

Das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz (AGesVG) ist bekanntlich ein Verbot, das insbesondere auf muslimische Nikab-Trägerinnen zielt, also umgangssprachlich ein „Burkaverbot“, auch wenn der fälschlich „Burka“ genannte Nikab nicht erwähnt wird und der Gesetzgeber sich viel Mühe gegeben hat, das Gesetz de jure als neutral erscheinen zu lassen (treffender gesagt: das politisch gewollte Burkaverbot juristisch zu verschleiern), sodass es vor Gericht nicht als Diskriminierung muslimischer Frauen ausgelegt werden kann.

Doch im Gesetz (und auch in der Auslegung durch Regierung, Innenministerium, Polizeidirektionen usw.) gibt es viele Ausnahmen, die de facto darauf abzielen, Nichtmuslime vom Gesichtsverhüllungsverbot auszunehmen, und derzeit versuchen Regierung und Polizei, Unklarheiten zu beseitigen, was man relativ einfach so zusammenfassen könnte:

„Bist du keine Muslima, die ihr Gesicht aus religiösen Gründen verschleiert, so bist Du mit dem Verbot absolut nicht gemeint. Bei Kälte darfst du dein Gesicht verhüllen, ebenso aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen, natürlich auch als Maskottchen, als Motorradfahrer, zu Halloween oder im Fasching oder bei jeder anderen kulturellen, künstlerischen oder traditionellen Veranstaltung. Bist Du aber eine Muslimin, darfst Du Dein Gesicht nicht aus religiösen Gründen verhüllen, und bei Kälteschutz usw. gucken wir bei dir ganz genau hin, dass du uns ja nicht über den Tisch ziehst oder auszutricksen versuchst!“

Was ist Muslimas nun also vom Staat her erlaubt, was ist ihnen verboten?

Am Montag soll in Marokko ein Erlass verteilt worden sein, nach dem der Import, die Herstellung und der Verkauf eines bestimmten Kleidungsstückes verboten wäre. 48 Stunden sollen die Händler Zeit gehabt haben, ihre Bestände loszuwerden - danach sollen sie konfisziert werden. Das wäre am heutigen Mittwoch der Fall.

Das Thema wird derzeit heiß diskutiert. Was wissen wir - und was wissen wir nicht? Und was vermuten wir?