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Die Haltung der Freikirchen und der Evangelikalen PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Blog
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Montag, den 07. Februar 2011 um 13:21 Uhr

Als enttäuschend empfinde ich die Haltung "meiner Frommen", der evangelischen Freikirchen und der evangelikalen Christen, zur Burkadebatte - gerade auch im Hinblick auf die jüngsten Geschehnisse in Frankfurt.

Im Großen und Ganzen beredtes Schweigen, ein wenig Verständnis für die Haltung der Politik - so kann man wohl zusamnmenfassen, wie sich diejenigen Christen, die meine "geistliche Heimat" darstellen, verhalten haben.

Das ist um so problematischer, als man sich doch das Eintreten für die Religionsfreiheit auf die Fahnen geschrieben hat und doch selbst oft genug selbst erfahren muß, was es bedeutet, als "kleine Herde" nicht immer und überall volle Religionsfreiheit zu erfahren, statt dessen Vorurteilen ausgesetzt zu sein, Diskriminierungen, Bekleidungsvorschriften, beruflichen Nachteilen, in manchen Teilen der Welt auch handfeste Verfolgung.

Möglich, daß man sich gesagt hat: "Jetzt können wir 'mal beweisen, daß wir mit dem Zeigeist blöken können". Wenn drei von vier Deutschen für ein Burkaverbot sind, warum sollten wir uns dann in die Nesseln setzen? Laufen wir nicht Gefahr, mit den radikalen Muslimen in einen Topf geworfen zu werden, wenn wir das Burkaverbot kritisieren?

Ich glaube, daß wir Freikirchler und wir Evangelikalen, wenn wir "dermaleinst" beim "Weltgericht" vor dem Herrn Jesus stehen und erwarten, daß wir auf die "rechte Seite" gerufen werden, enttäuscht sein werden, wenn wir uns plötzlich auf der Seite der Verurteilten wiederfinden. "Jesus, haben wir nicht immer getan, was du von uns wolltest?"

"Nun", sagt Jesus da, "mir wurde Berufsverbot erteilt. Und ihr seid nicht für mich eingetreten, habt euch nicht für mich eingesetzt."

"Jesus", werden wir dann sagen, "wann soll das geschehen sein? Wenn man dir ein Berufsverbot erteilt hätte, wären wir sicherlich für dich eingetreten, wir haben uns immer für die verfolgten Christen eingesetzt. Wenn Lehrer nicht den Kreationismus lehren durften, dann haben wir protestiert. Wenn Christen diskriminiert wurden, dann haben wir uns für sie eingesetzt. Wir waren immer da, wenn Christen benachteiligt, diskriminiert und verfolgt worden sind!"

"Nun", erwidert Jesus, und sein Gesicht ist so von Trauer gezeichnet und von Tränen bedeckt, daß wir seine schönen Züge nicht sehen können, "ich wollte mit einem Schleier in Euren Ämtern und Behörden arbeiten. Man sagte mir, ich müsse mein Gesicht zeigen, so aber dürfte ich meinen Beruf nicht ausüben. Da hat mir nicht einer von euch beigestanden."

"Herr, wann haben wir dich mit einem Schleier gesehen und dir deswegen Berufsverbot erteilt? Das war doch nur eine Muslima, eine Fundamentalistin."

"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan."

Und wir werden hingehen: zur ewigen Strafe.

(Siehe Matthäus 25,31-46 .)

Es mag für manch einen frommen Christen schwer erträglich sein, diese Worte Jesu auf eine verschleierte Muslima anzuwenden. Aber ich glaube, daß Jesus die Gottesliebe dieser Frau gesehen hat - und sie auch als solche behandelt.

Wir aber sehen nur eine radikal gesinnte Fundamentalistin, die unsere Gesellschaft ablehnt, bestenfalls ein Opfer von Unterdrückung (nun ja, denjenigen von uns, die tatsächlich ausschließlich einer vermeintlich unterdrückten Frau helfen wollten, gesteht der Herr im Weltgericht vielleicht einen "Verbotsirrtum" zu und läßt darum mildernde Umstände gelten - auch wenn fraglich ist, wie ein Burkaverbot einer unterdrückten Muslima denn bitte schön helfen soll).

Wir, die wir mit einer verschleierten Frau nichts zu tun haben wollen, die wir ihr nicht beistehen, werden von Jesus keinen Beifall für unsere unterlassene Hilfeleistung erwarten können.

Man lese hierzu auch einmal das Gleichnis vom "barmherzigen Samariter" ( Lukas 10,25-37 . Wie oft geraten in unserer Gesellschaft verschleierte Frauen "unter die Räuber", was ja auch bedeuten kann, daß man ihnen den Arbeitsplatz "raubt", ihren Platz in der Öffentlichkeit.

In diesem Fall ist sie ganz einfach unsere "Nächste", und wir sind zu Barmherzigkeit verpflichtet, verstoßen sonst gegen Gottes Gebot.

Wir können nicht einfach achtlos an ihr vorübergehen wie der Priester oder der Levit in Jesu Gleichnis. Wir müssen sein wie der "barmherzige Samariter", müssen "Öl und Wein auf die Wunden gießen" und diese "verbinden", müssen eine "Herberge" bieten und die "Pflege" übernehmen und für die "Kosten" aufkommen. Das ist das, was Jesus von uns erwartet. Barmherzigkeit. Nächstenliebe. Helfende Gemeinschaft. 

Wo stellen fromme Christen bevorzugt verschleierte Muslimas ein, damit sie einen Arbeitsplatz haben? Wo setzen sich fromme Christen dafür ein, daß auch verschleierte Muslimas ihren Platz im öffentlichen Dienst haben können? Wo protestieren wir, wenn Politiker verschleierte Frauen in ihren Wohnungen einsperren wollen?

Aber nein, wir Frommen bocken lieber herum - und werden darum wohl auch "dermaleinst" vom Herrn Jesus als "Böcke zur Linken" gestellt werden ( Matthäus 25,32-33 ).

Sollten Christen sich gegen ein Burkaverbot engagieren?

Sollten Christen sich gegen ein Burkaverbot engagieren?

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. Februar 2011 um 14:06 Uhr
 

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