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Viele wohlmeinende Menschen fürchten, die Debatte um eine Mitarbeiterin, die nach ihrer Elternzeit verschleiert an ihren Arbeitsplatz im Frankfurter Bürgeramt zurückkehren wollte, habe insbesondere den Kopftuch tragenden Muslimas, aber auch der Integrration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund und islamischem Hintergrund geschadet.
Es ist sicherlich richtig, daß die von den Medien und den Politikern unnötig aufgebauschte Debatte Islamophoben und Xenophoben aller möglichen Lager viel Munition geliefert hat. Man darf aber nicht vergessen, daß diese Kreise jede Gelegenheit nutzen, um ihre Meinung lauthals unters Volk zu bringen.Sie brauchen dafür keine Schleier tragende Angestellte des öffentlichen Dienstes.
Ohnehin darf die Sorge vor solchen Reaktionen Dritter nicht dazu führen, daß insbesondere Angehörige von religiösen Minderheiten sich nicht mehr trauen, ihre verfassungsmäßuigen Rechte einzufordern - oder gar genötigt werden, doch bitte still zu sein und sich mit einem "religiösen Minimalzustand" zu begnügen, garniert mit fragwürdigen Behauptungen, dies und das habe ja mit der Religion gar nichts zu tun. Damit haben wieder nur die Falschen gewonnen, nützen tut so etwas niemandem.
Ich bin auch überzeugt, daß die Debatte den Kopftuch tragenden Frauen und der Integration auf Dauer nicht schadet. Gerade im Hinblick auf eine komplett verschleierte Frau erscheint den meisten Beobachtern eine Kopftuch tragende Muslima als normal, geradezu wünschenswert.
Etwaige Ängste, ein Kopftuch tragende Muslima könnte zu einer Schleier tragenden Fundamentalistin konvertieren, sind nicht nur irrational, sondern meines Erachtens auch weniger verbreitet als ein nun im Großen und Ganzen durchaus positiverer Blick auf das Kopftuch und die "normalen" Muslime, nachdem man nun das "Extrem" gesehen hat und allerorten deutlich gemacht wurde: Mit Kopftuch wäre alles gar kein Problem (und auch wenn etwa bei Politically Incorrect & Co. genau das Gleiche gemutmaßt und der Frau unterstellt wird, im Auftrag islamischer Verbände genau das erreichen und das Kopftuch im besseren Licht erscheinen lassen zu wollen, lasse ich mich nicht von dieser Überzeugung abbringen).
Nach dieser Debatte muß man sich natürlich fragen, wie es zu dieser äußerst unerfreulichen Eskalation in Politik und Medien überhaupt hat kommen können? Hier ist gerade bei Politikern und Medien Selbstkritik angebracht, nicht Schelte.
Offenbar kamen die "Tipps" für die Presse ja aus der Stadtverwaltung, wenn man den Ablauf des Geschehens verfolgt. Wer hat mit welchen Motiven geplaudert?
Auch die Wahl der Bilder muß kritisch geleuchtet werden: Warum kam man auf die absurde Idee, in erster Linie Bilder von Burqa tragenden Frauen zu verwenden, obwohl es sich hier nach allem, was man annehmen muß, um einen die Augen nicht bedeckenden Niqab handelt?
Zuletzt müssen die Akteure in Politik und Medien fragen, welches Bild sie mit der ganzen Aktion sehr religiösen Muslimen vermittelt haben - und wie sehr sie fundamentalistischen und radikalen Islamisten genützt haben? Völlig unnötig wurde ihnen Material für ihre feindliche Haltung geliefert. Wie viele Muslime haben wir durch diese unnötig aufgebauschte Debatte an die Radikalen verloren? 50? 100? 500? Ich mag es mir gar nicht ausmalen.
Das war nun wirklich ein grandioses Eigentor von Politik, Medien, Islamverbänden usw.
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Kommentare
Dann nur gut, daß der Welt jetzt so viel erspart bleibt, weil die Frankfurter schlauer waren als die Wiener.
welt.de/.../...
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