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CDU-Politiker: Schleier gleich Motorradhelm PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Blog
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Montag, den 31. Januar 2011 um 11:34 Uhr

Was Boris Banga im schweizerischen Grenchen kann, kann der Frankfurter Stadtrat Markus Frank von der CDU schon längst: Schleier ist gleich Motorradhelm (siehe  diesen Artikel).

Daß der Schleier vom Recht auf freie und ungestörte Ausübung der Religion geschützt ist, der Helm eines Motorradfahrers aber nicht, stört den Personaldezernenten nicht im Geringsten.

Dann hätte Frank sicherlich auch kein Problem damit, wenn demnächst am schönen Main das bei vielen Mitbürgern doch sehr unbeliebte Läuten von Kirchenglocken verboten wird, wenn es denn nur auch für das Läuten von Fahrradklingeln ebenfalls gelte. Und Kreuze verbieten ist auch kein Problem, wenn man nur zugleich auch Sadomaso-Utensilien verbietet, dient doch beides dazu, Menschen Leid zuzufügen.

Doch was die CDU kann, können auch die Linken: Deren Fraktionschef Lothar Reininger vergleicht den Schleier mit einer Ritterrüstung. Damit macht Reininger dann auch gleich klar, daß er den Schleier für eine Art militärische Uniform hält.

Immerhin, es ist fast schon erfreulich, wie sich die Stadträte in Frankfurt von rechtspopulistisch links bis rechts einig sind, wenn es darum geht, den Schleier aus der Stadtverwaltung fernzuhalten. Daß es sich dabei mehr um einen Prozeß nach Art der Heiligen Inquisition handelt oder gar um einen postmodernen Hexenprozeß, ist bei so viel Einigkeit fast schon verzeihlich. Wer will die schöne Einigkeit denn auch mit so etwas Banalem wie Fakten oder Belegen stören, mit deren Hilfe sich beweisen ließe, daß der Schleier im Bürgeramt tatsächlich so gefährlich ist?

Allerdings: Erfahrungen gibt es keine, Fakten gibt es keine, Belege gibt es keine - aber was hindert das Politiker daran, in trübe Glaskugeln zu starren und dann Entscheidungen zu treffen, die weitreichende Folgen zu haben?

Nun ja, Burka sells, Burkaverbot bringt Stimmen.

Frankfurts Politiker werden wohl kaum auf jene Stimmen verzichten wollen, die sich mit einem harten Durchgreifen gegen eine verschleierte Frau holen lassen. Das Thema "Burka" ist nun einmal eine Oase in der Wüste der Politikverdrossenheit der Deutschen - auch wenn die angebliche Burqa sich meistens als Niqab entpuppt. Daß man dies nicht unterscheiden kann, zeigt überdeutlich, wie trübe die genannten Glaskugeln in Wahrheit sind.

Daß man damit die Interessen von Rechtspopulisten, Ausländerfeinden, Islamophoben etc. pp. bedient unfd sich des Beifalls von Rechtsaußen, "Politically Incorrect" & Co. gewiß sein kann - geschenkt.

Daß sich aber jene, deren Stimmen man jetzt nachjagt, nur kurz mit einem einfachen Burkaverbot im Bürgeramt zufrieden geben werden und dann nach mehr verlangen werden, bedenkt man freilich nicht.

Wer "Burkaverbot im Bürgeramt" sagt, wird sich bald mit Forderungen konfrontiert sehen, die zum einen eine Ausweitung auch auf Kopftücher verlangen, zum anderen aber auch eine Ausweitung über die Stadtverwaltung hinaus. Hier läßt man einen Geist aus der Flasche, der sich kaum mit dem Finger, dem man ihm reicht, zufrieden geben wird - er wird letztlich die ganze Hand haben wollen.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 31. Januar 2011 um 11:42 Uhr
 

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