|
Derzeit genieße ich meinen Urlaub und bin also nicht so oft am Rechner, wie ich es gerne wäre. Hier ein kleiner Rückblick auf Aktuelles, das mir und den Lesern dieser Webseite dadurch entgangen ist...
Beginnen wir mit der WELT - am 29.12.2010 brachte die Online-Ausgabe zwei eher polemische Artikel zum Thema " Burka-Barbies": "Auf eine Zigarre - Barbie mit Burka" und einen Kommentar dazu. Beide sind mittlerweile nicht mehr im Online-Angebot der WELT aufzufinden. Was aber beide einte, war die Tatsache, daß die jeweils abgebildete Barbie-Puppe (so es denn eine war, was ich allerdimgs bezweifle) keine "Burka" trug - nicht nur keine Burqa bzw. Chadri, wie wir sie aus Pakistan oder Afghanistan kennen, sondern auch keinen Niqab, sprich: Gar kein Gesichtsschleier, nur ein Kopftuch.
Aus dem rechtspopulistisch-islamophoben Lager stammt ein Artikel, den das evangelikale Online-Portal jesus.ch am 1.1.2011 veröffentlicht hat: Totalvermummung - Tod unter der Burka. Autor ist ein gewisser Heinz Gstrein, ein mehr als umstrittener Orientalist und auf einer Linie mit Geert Wilders, Politicaly Incorrect, Akte Islam, Bürgerbewegung Pax Europa, Islam-Deutschland.info, ProKöln usw. usf., gern gesehen bei Rechtspopulisten wie Rechtsextremisten. Auch bei der islamophoben Schweizer Anti-Minarett-Initiative war Gstrein ganz vorne mit dabei.
Mittelpunkt des Artikels ist der Terroranschlag im Nordwesten Pakistans vom 25. Dezember, der von einer verschleierten Attentäterin ausgeführt wurde. Wichtige Details verschweigt Gstrein freilich, andere werden frei erfunden (etwa die Verbindung zum christlichen Weihnachtsfest). Die Täterin wird auch noch als "Terrorbraut" und "entmenschter Burka-Mensch" bezeichnet, was wohl witzig klingen soll, aber einfach nur widerlich ist und die menschenverachtende Gesinnung Gstreins illustriert.
Natürlich bemüht Gstrein, wie so viele andere auch, den "Sicherheitsaspekt" - dabei freilich verschweigend, daß die verschleierte Täterin sehr wohl von den Sicherheitskräften gestoppt wurde. Ohne ihren Schleier wäre das vielleicht nicht passiert und der Terroranschlag um so schlimmer ausgefallen, weil die Täterin sich nur am Rande des belebten Bereiches in die Luft sprengen konnte, nicht mitten darin. In keinem Fall hat der Schleier dieses schrecklichen Terroranschlag erleichtert oder sogar ermöglicht. Er ist insofern ein tatsächlich unwichtiges Detail, dem hierzulande eine unangemessene Aufmerksamkeit zuteil wird (während die Frage, ob sich die Attentäterin etwa durch Humpeln, gebeugtes Gehen, Verwendung einer Gehhilfe oder ähnliches getarnt hat, immer noch unbeantwortet ist).
Zum Schluß möchte Gstrein komplett verschleierte Frauen als "unzurechnungsfähige Attentäterinnen" verstanden wissen und "vorbeugend" in ein "Narrenhaus" einsperren - wobei man rätseln darf, welche Einrichtung Gstrein wohl unter einem "Narrenhaus" verstanden wissen will. Seine Leser aus dem rechten Lager werden wohl die richtige Eingebung haben, und Gstrein tut nichts, um diese Eingebung zu verhindern.
Zu guter letzt noch ein erst gestern in mehren Medien veröffentlichter Artikel. Offenbar soll in Saudi-Arabien ein Mann ausgepeitscht werden - laut den Medien, weil seine Frau ihre Augen nicht verschleiert hat (z.B. ZDFheute.de: Frau zeigt ihre Augen - Ehemann droht Auspeitschung). Tatsächlich ist die Sache nicht ganz so einfach, wie man uns glauben machen will. Der Ehemann und sein Verwandter sollen nicht ausgepeitscht werden, nur weil die Ehefrau des einen Mannes ihre Augen nicht verschleiert hat - aber eine solche Meldung klingt natürlich gut, gerade in diesen Tage, also finden wir sie auch mehrfach in den Medien (besonders nett, wie die Sächsische Zeitung die Nachricht titelt: "Peitschenhiebe für unverhüllte Frauenaugen"). Wie dem auch sei - das eigentlich Wichtige an dieser Nachricht, das erschreckende Vorgehen der Religionspolizei in Saudi-Arabien, geht nahezu komplett unter. Burka sells.
|
Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß Ihr Kommentar erst vom Webmaster freigeschaltet werden muß, um unerwünschte Werbung zu verhindern. Die Freischaltung erfolgt so schnell wie möglich.