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Jörg Lau, das Kopftuch und der Feminismus PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Blog
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 24. November 2010 um 16:20 Uhr

Jörg Lau weist in seinem  Blog auf einen morgen erscheinenden ZEIT-Artikel hin, ein Interview mit der Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun.

Dabei regt er sich darüber auf, daß von Braun das Kopftuch durchaus im Sinne des Feminismus interpretiert: "Einer der Slogans der Frauenbewegung war Virginia Woolfs Forderung: 'Ein Zimmer für sich allein'. Vielleicht ist das Kopftuch eine Art, sich diesen Raum in einer fremden Öffentlichkeit zu verschaffen. Ich denke an muslimische Studentinnen, die vielleicht selbstbewußt ihr 'Zimmer für sich allein' auf dem Kopf tragen möchten".

Lau kommentiert dies mit den Worten, "es ist doch wahnsinnig blauäugig, das Kopftuch per se als Fortsetzung des Feminismus mit anderen Mitteln hinzustellen. Virginia Woolf? Get real."

Meine persönliche Meinung ist, daß wir hierzulande einen gewissen Rassismus im Hinblick auf den Feminismus haben - allein der westliche, in der Regel atheistisch geprägte und von keinen religiös begründeten Wertvorstellungen beeinflußte Feminismus ist der richtige, gute, wahre Feminismus. Einen anderen kann, darf es gar nicht geben.

Aber es gibt sehr wohl auch einen islamischen Feminismus, und der kommt nun einmal (unter anderem) mit dem Kopftuch daher. Wir werden das Nebeneinander eines westlichen bzw. atheistischen und eines islamischen Feminismus akzeptieren müssen. Da sich westlich-atheistische FeministInnen aber schon mit einem christlichen Feminismus etwa linksevangelikaler Prägung schwer tun, fürchte ich, daß es da noch einige Zusammenstöße geben wird.

Es ist meine Überzeugung, daß die Frauen in unserem Land das Recht haben müssen, sich "ihren" Feminismus auszuwählen und danach zu leben, sei er nun atheistisch, christlich, islamisch oder was sonst, sei er okzidental oder oriental geprägt, basiere er kulturell eher auf schamorientierten oder eher auf schuldorientierten Konzepten - das gehört mit zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, auf der unser Gemeinwesen basiert, Multikulti halt. 

Weder darf man einen Feminismus höher bewerten als einen anderen noch darf man hier Verbote aussprechen wollen.

Und es geht auch nicht an, daß man einerseits "Multikulti" will, dann aber vor Wut aufschreit, wenn muslimische Frauen es wagen, ihre eigenen Schwerpunkte in die Debatte um Emanzipation und Gleichberechtigung einzubringen, möglicherweise auch noch bekopftucht oder gar unter dem Schleier.

"Multikulti" ist halt nicht nur eine Geheimwaffe guter Menschen gegen "Rechts", sondern kratzt manchmal auch am Selbstverständnis der "Linken" - gerade auch im Bereich des Feminismus. Da verstehen dann manche aber gar keinen Spaß, wenn sich ihre Dhiimis Schutzbefohlenen plötzlich ihrer "Opferrolle" und ihrer Instrumentalisierung im Kampf für eine bessere, weil "linkere" Welt entziehen und womöglich gar nicht vom Kopftuch oder vom Schleier befreit werden wollen.

 

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