Startseite Blog Erhöhte Terrorgefahr - Angst vor verschleierten Frauen berechtigt?

Social Bookmarks

Add to: Mr. Wong Add to: Webnews Add to: Icio Add to: Oneview Add to:  FAV!T Social Bookmarking Add to: Favoriten.de Add to: Seekxl Add to: Social Bookmark Portal Add to: BoniTrust Add to: Power-Oldie Add to: Bookmarks.cc Add to: Newskick Add to: Newsider Add to: Linksilo Add to: Readster Add to: Yigg Add to: Linkarena Add to: Digg Add to: Del.icoi.us Add to: Reddit Add to: Simpy Add to: StumbleUpon Add to: Slashdot Add to: Netscape Add to: Furl Add to: Yahoo Add to: Blogmarks Add to: Diigo Add to: Technorati Add to: Newsvine Add to: Blinkbits Add to: Ma.Gnolia Add to: Smarking Add to: Netvouz Add to: Folkd Add to: Spurl Add to: Google Add to: Blinklist Information
Social Bookmarking
203327
Erhöhte Terrorgefahr - Angst vor verschleierten Frauen berechtigt? PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Blog
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 17. November 2010 um 16:12 Uhr

Im Zusammenhang mit der erhöhten Terrorgefahr für Deutschland - etwa angeblich konkrete Anschlagspläne für Ende November - stellen sich viele Menschen die Frage, ob man vor verschleierten Frauen Angst haben müsse.

Diese Frage kann ganz klar mit einem "Nein" beantwortet werden. Erstens ist es unwahrscheinlich, daß im Zusammenhang mit einem Anschlag ein Schleier verwendet wird, zweitens ist es extrem unwahrscheinlich, daß gerade diejenige verschleierte Frau, der Sie begegnen, eine Terroristin ist. Und selbst wenn sich unter dem Schleier wider Erwarten und entgegen aller Wahrscheinlichkeiten doch ein Terrorist oder eine Terroristin befinden sollte - die Wahrscheinlichkeit, daß die betreffende Person gerade im Moment der Begegnung einen Anschlag verübt, ist noch viel geringer. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, daß Sie bei der Begegnung mit einer verschleierten Frau von einem aus einem Flugzeug fallenden Eisklumpen zufällig erschlagen werden, als daß sie einem Terroranschlag zum Opfer fallen.

Auch die Frage, ob ein Burkaverbot die Sicherheitslage verbessere, kann ganz klar mit einem "Nein" beantwortet werden. Terroristen sind keinesfalls auf einen Schleier angewiesen - und er erleichtert ihnen nicht einmal einen Anschlag (eher im Gegenteil; darum nehmen auch viele Attentäterinnen, die normalerweise verschleiert sind, ihren Schleier im Vorfeld eines Anschlags ab). So begründet etwa auch Frankreich sein Burkaverbot nicht mit Sicherheitsinteressen; denn es gibt tatsächlich keinen Zusammenhang zwischen einem Schleier und einer wie auch immer gearteten Bedrohung der Sicherheit. Tatsächlich täuscht ein Burkaverbot nur eine Sicherheit vor, die nicht existiert.

Grundsätzlich muß ohnehin vor einer Panik gewarnt werden - die Wahrscheinlichkeit, daß es hierzulande tatsächlich zu einem Terroranschlag in den nächsten Tagen oder Wochen kommt, ist eher gering, und die Wahrscheinlichkeit, daß eine bestimmte Person, die nicht in besonderer Weise gefährdet ist, Opfer eines Terroranschlags wird, ist verschwindend gering.

Die Wahrscheinlichkeit, von einem vom Himmel fallenden Objekt getroffen und verletzt oder gar getötet zu werden, ist höher (seien es Teile eines beschädigten Flugzeugs, gefrorene Abwässer aus einem Flugzeug, ein Blumentopf o.ä. von einer Fensterbank, ein Dachziegel, ein Eiszapfen von einer Regenrinne oder auch ein Gegenstand aus dem All, der den Eintritt in die Atmosphäre unbeschadet übersteht). Trotzdem hat kein gesunder Mensch Angst vor einem solchen Unfall oder verfällt deswegen gar in Panik.

Panik ist freilich das, was Terroristen eigentlich verbreiten wollen. Sie wollen uns dazu bringen, in Ängsten und Schrecken zu versinken und Hals über Kopf falsche Entscheidungen zu treffen, von denen wir irrigerweise annehmen, sie würden unsere Situation verbessern (z.B. überstürzte Einschränkungen der freiheitlichen Grundrechte).

Natürlich kann es zu einem Terrorakt kommen, bei dem auch Menschen verletzt oder gar getötet werden. In der gleichen Zeit werden aber sehr viele Menschen auf andere Weise verunfallen und dabei zu Schaden kommen - im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz, im Haushalt, auf dem Spielplatz. Es gibt keine völlige Sicherheit für Leib und Leben.

Dennoch müssen und werden die Sicherheitskräfte ihr Bestes tun, uns zu beschützen. Panik im Allgemeinen oder vor verschleierten Frauen im Besonderen sind dabei keine Hilfe und erschweren vielmehr die Arbeit derjenigen, die für unser aller Sicherheit verantwortlich sind (wenn wegen jeder verschleierten Frau pro Stunde 5 Leute die Polizei anrufen, kann diese ihre Arbeit jedenfalls nicht mehr erledigen).

Also: Aufmerksam sein ja, Angst haben oder gar in Panik verfallen nein. "Aufmerksamkeit" heißt aber nicht: Trägt Schleier, ist also gefährlich, trägt keinen Schleier, ist also ungefährlich.

In Deutschland gibt es schätzungsweise 4.000 - 6.000 komplett verschleierte Frauen - aber die Sicherheitsdienste gehen von etwa 1.000 "gewaltbereiten Islamisten" und darunter etwa 130 - 200 "Gefährdern" aus.

Das bedeutet rein rechnerisch und unter der Annahme, daß jede zweite dieser Personen eine verschleierte Frau ist, daß 8,3 - 12,5 % aller verschleierten Frauen zu den "gewaltbereiten Islamisten" und 1,1 - 2,5 % aller verschleierten Frauen zu den "Gefährdern" gehören. Mindestens 87,5 % aller verschleierten Frauen wären aber gänzlich unverdächtig (und mindestens 97,5 % sind auch keine "Gefährderinnen").

Die komplett verschleierten Frauen unter einen terroristischen Generalverdacht zu stellen oder sie gar durch ein Burkaverbot zu kriminalisieren, würde aber eher dazu führen, daß sie sich den Extremisten annähern.

Bedenken Sie bitte auch: Unter den Opfern muslimischer Terroristen sind unter dem Strich Menschen muslimischen Glaubens häufiger zu finden als andere Menschen. Muslime sind nicht nur durch Islamophobie, Xenophobie und Rassismus gefährdet, sondern auch durch islamistische Extremisten und Terroristen. Das gilt auch für verschleierte Frauen.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 18. November 2010 um 14:09 Uhr
 

Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie die Verhaltensregeln, die allgemeinen Nutzungsbedingungen, die Erklärung zum Datenschutz und den Haftungsausschluß im Impressum.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß Ihr Kommentar erst vom Webmaster freigeschaltet werden muß, um unerwünschte Werbung zu verhindern. Die Freischaltung erfolgt so schnell wie möglich.

AdministrationXML Sitemap