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In den letzten Tagen und Wochen wird hierzulande vermehrt darauf hingewiesen, daß verschiedene arabische Regimes wie Ägypten, Syrien und Saudi-Arabien gegen gewisse islamistische Tendenzen, aber oftmals auch gegen die Komplettverschleierung vorgehen - und mehr oder weniger deutlich wird gefragt, ob Europa nicht gleichziehen sollte, wie es ja Belgien und Frankreich bereits getan haben?
Hierzu kann ich nur den Kopf schütteln. Die betreffenden arabischen Regimes sind nicht gerade das, was ich mir als ein Vorbild für Europa, für Deutschland vorstellen kann.
Gerade Ägypten hat die Diskussion um die Komplettverschleierung zuerst politisiert, lange bevor die verschiedensten Fraktionen der Islamisten den Schleier zu einem politischen Symbol erklärt haben - als eine Reaktion auf Angriffe seitens der Regierung.
Keines dieser arabischen Regimes kann Europa als Vorbild oder als Schablone gelten, wenn es um Menschenrechte, wenn es um den Umgang mit bürgerlichen Freiheiten und Rechten geht. Übernehmen wir ihr Burkaverbot oder ihren Kampf gegen den Islamismus, so legitimieren wir damit diese Regimes und ihre vielfältigen Verbrechen gegen die Menschenrechte, gegen die Menschenwürde.
Ein europäisch-arabisches Bündnis gegen die Komplettverschleierung wäre eine mehr als unheilige Allianz, bedenkt man, wofür die Regierungen in Kairo, Damaskus und anderswo stehen, nämlich ganz gewiß nicht für die Menschenrechte.
Wer also auf Burkaverbote in Ägypten, Syrien, die Türkei oder einem anderen Land hinweist, wenn er ein Verbot der Komplettverschleierung befürwortet, der möge sich vorher anschauen, welchen Stellenwert die Menschenrechte in diesen Ländern haben.
Und er möge sich auch überlegen, warum diese Regimes den Vollschleier eigentlich verbieten wollen - und ob diese Motive mit europäischen Wertvorstellungen kompatibel sind oder wenistens zur europäischen Kopftuch- und Burkadebatte passen.
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Kommentare
In gewisser Weise betrachtet die syrische Regierung jene Religionsgemein schaften, die sich in Wohnhäusern treffen, als "verschleierte" Gemeinschaften, weil sie halt nicht mit dem "offenen Antlitz" einer Kirche oder Moschee auftreten, sondern hinter dem "Schleier" eines Wohnhauses. Hinter den Schleier kann man nicht blicken, also ist alles, was dahinter geschieht, verdächtig, also muß der Schleier weg.
Diejenigen, die sich an dem syrischen Vorgehen gegen den Schleier erfreut zeigen und dies als Vorbild auch für Europa fordern, werden vielleicht auch in dem syrischen Vorgehen gegen "radikale" Religionsgemein schaften wie z.B. evangelikale oder freikirchliche "Sekten" ihr Gefallen finden.
Wem dabei aber mulmig wird, der sollte sich fragen, ob er das syrische Vorgehen gegen den Schleier, das schließlich nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern Teil einer weitreichenden Unterdrückung solcher Religionsgemein schaften ist, die dem Staat nicht passen, wirklich gutheißen kann.
Ehe man das als "Vorbild" für etwaige Burkaverbote bei uns heranzieht, sollte man aber bedenken, daß diese Institutionen keineswegs frei und unabhängig sind, sondern je und je für einen "Staatsislam" stehen, mehr oder weniger offen vom Staat gelenkt werden.
Sie sind damit oft genug diejenigen Institutionen, die Staatsentscheid ungen mit einem religiösen Siegel versehen.
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