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Viele, die sich für Einschränkungen und Verbote von Kopftüchern und Schleiern aussprechen, begründen dies damit, daß das Kopftuch, vor allem aber der Schleier nicht mit den Frauenrechten vereinbar wäre.
Persönlich habe ich aber oftmals den Eindruck, daß die ganze Kopftuch- und Schleierdebatte erst dann richtig Fahrt aufgenommen hatte, als Muslime und gerade auch muslimische Frauen begonnen haben, in der Gesellschaft ihre Rechte einzufordern.
Solange die Muslime vor allem Gastarbeiter waren, die Frauen vornehmlich tätig als Putzfrauen und Fabrikarbeiterinnen, waren Kopftuch und Schleier für unsere Gesellschaft kein Problem.
Seitdem aber Muslime studieren und nicht nur untergeordnete Arbeiten übernehmen wollen, seitdem sie gleichberechtigt mit uns an der Gesellschaft teilhaben wollen, und zwar auch die muslimischen Frauen, werden Kopftuch und Schleier plötzlich zu einem erheblichen Problem, so daß sogar nach Burkaverboten für den gesamten öffentlichen Raum gerufen wird. .
Wir sagen zwar, wir kämpfen für die Rechte der Frauen, aber ich fürchte, daß viele von uns eher gegen die Muslimas kämpfen, weil diese nun immer selbstbewußter ihre Rechte, ihren rechtmäßigen Platz in unserer Gesellschaft einfordern - und damit natürlich für viele von uns zur gefühlten Bedrohung werden.
Für viele Frauen in unserem Kulturkreis war die eher einer Unterschicht angehörende, ungebildete und kaum gut angesehene, meist schlecht bezahlte Gastarbeiter-Muslima, mit Eimer und Feudel durch die Gänge schleichend oder am Fließband stehend, eine willkommene Erscheinung - ein Beweis des eigenen höheren Status. Aber die muslimischen Frauen lassen immer mehr die Putzeimer stehen und geben sich mit ihrem Platz in der Fabrik nicht mehr zufrieden. Sie machen Mittlere Reife oder Abitur, sie machen eine Ausbildung oder studieren - und immer mehr von ihnen tragen dabei selbstverständlich ein Tuch als Zeichen ihrer muslimischen Identität.
Kein Wunder, daß gerade das Kopftuch der Lehrerin oder der Schleier im öffentlichen Dienst bei uns für Unruhe sorgt und wir nach Einschränkungen und verboten rufen.
Daß wir das aber verkaufen als "Einsatz für die Rechte der Frauen" ist schon ziemlich neben der Spur. Tatsächlich gfeht es hier doch mehr um "wir" und "sie". Wenn "sie" doch wenigstens äußerlich an uns angepaßt und auch in Sachen Moral und Religion so gleichgültig wären wie wir - aber gerade diesen Gefallen tun "sie" uns eben nicht. Wie könnten sie da Recht(e) haben?
Und so bleibt uns nur, daß wir definieren, was diese Rechte sind. Und Kopftuch oder Schleier gehen da gar nicht, außer in der Fabrik oder über dem Putzeimer gebeugt.
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