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Afghanistan und Burkaverbot PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Blog
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 07. Mai 2010 um 13:46 Uhr

Forderungen nach einem Burkaverbot hierzulande werden häufig mit einem Verweis auf den Einsatz in Afghanistan untermauert.

Ist ein Burkaverbot hier und heute nicht eine logische Konsequenz unseres, nennen wir es einmal zurückhaltend-ironisch: vielfältigen Engagements in Afghanistan?

Kämpfen unsere Soldaten denn nicht am Hindukusch gegen Frauenunterdrückung, lehren nicht unsere Leute die Menschen dort westliche Regeln für den Umgang mit Frauen? Und wäre es dann nicht geradezu ein Verrat an diesem Kampf, hierzulande die Burka nicht zu ächten, zu verbieten, aus der Öffentlichkeit zu verbannen?

Zum einen vermischt dieses Argument die korrekte Behandlung von Äpfeln mit der von Birnen. Wenn sich Frauen in Europa komplett verschleiern, so tun sie das zum größten Teil freiwillig. Und wo es Zwang gibt, da handelt es sich nicht nur um einen Zwang zur Verschleierung, sondern ebenso gibt es auch einen Zwang gegen die Verschleierung. Viele der sich hier komplett verschleiernden Frauen lehnen den Schleierzwang, der in manchen islamischen Ländern herrscht, entschieden ab.

Zum zweiten muß man sich schon fragen, ob der Kampf gegen die Burka in Afghanistan Sinn und Zweck des Einsatzes sein kann, selbst unter "ferner liefen". Einsatz gegen Zwang, Nötigung, Drohungen und Gewalt - sicherlich. Auch gegen den Zwang zur Verschleierung. Aber ein Kampf gegen die Burka, gegen die Verschleierung?

Zum dritten muß man sich fragen, wie diese Forderung "Kampf für ein Burkaverbot hier, weil wir in Afghanistan kämpfen" bei Muslimen ankommt - hier in Deutschland, dort in Afghanistan. Sicherlich werden nicht wenige es so verstehen, daß es uns nicht eigentlich um die Freiheit der Afghanen geht, sondern um westliche Werte und Regeln, letztlich um einen militärisch untermauerten Export westlicher Kultur nach Afghanistan, also Neo-Kolonialismus.

Der Kampf gegen die Burka hier dient als einer der Beweise für die Überzeugung vieler Muslime, daß unser Engagement in Afghanistan Ziele verfolgt, die sich nicht gegen die Taliban oder gewaltbereite Islamisten richtet, sondern mehr oder weniger gegen den Islam selbst.

Es ist kein Wunder, daß die islamische Welt gebannt auf den Umgang Europas mit der Burka achtet. Für viele Muslime sind "Burkaverbot" und "Der Westen kämpft in der islamischen Welt" nur zwei Seiten ein und derselben Medaille: Die Kreuzfahrer des Westens bekämpfen den Islam.

Und das westliche Argument "wir kämpfen für die Freiheit und die Würde der Frauen" zieht bei den meisten Muslimen nicht; denn sie sehen sehr wohl, daß der Westen hier einen Splitter im Auge der islamischen Welt sieht, dabei aber den Balken im eigenen Auge übersieht. Zudem sehen sie nicht weniger deutlich, daß der Kampf gegen die Burka allein ein öffentliches Symbol des Islam zum Verschwinden bringen will, aber an der tatsächlichen Situation der muslimischen Frauen eher wenig Interesse hat, wenn etwa Frankreich die "Opfer" des Schleierzwangs zu Geldstrafen und einem "staatsbürgerlichen Praktikum" verurteilen will, wenn niemand mit den Frauen spricht, sondern stets nur über sie gesprochen wird, wenn ihre Beteuerungen, den Schleier freiwillig zu tragen, auf taube Ohren stoßen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. Mai 2010 um 15:19 Uhr
 

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