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Auf meiner privaten Home Page habe ich in einem Blog-Beitrag und auf dieser Webseite in einem Artikel geschrieben, daß Christinnen in unserem Kulturkreis eher keinen Schleier tragen - wenn doch, dann halt nur unter bestimmten Voraussetzungen, also etwa dort, wo Christinnen und Muslimas als enge Nachbarinnen und gute Freundinnen leben und die Christin zugunsten der Nachbarschaft und Freundschaft (also Konvivenz) Kopftuch oder sogar Schleier trägt.
Darüber hinaus fragen sich natürlich manche Christinnen, die gegen Kopftuch- und Schleierverbote sind und den von Einschränkungen und Verboten betroffenen Muslimas gerne helfen möchten, ob sie nicht aus Gründen der Solidarität Kopftuch oder Schleier tragen sollten.
Persönlich finde ich diese Idee durchaus gut, daß Christinnen sich demonstrantiv an die Seite muslimischer Frauen stellen, und beim Kopftuch ist diese Idee sicherlich auch weniger problematisch als beim Schleier.
Beim Schleier gilt ja allgemein die Befürchtung, daß der Anblick von verschleierten Frauen in der Öffentlichkeit nicht nur zu einer Zunahme von Feindseligkeiten gegen Schleier tragende Muslimas führen kann, sondern auch zu einer Zunahme voin Vorbehalten und Feindseligkeiten gegen Kopftuch tragende Muslimas und sogar Muslime im Allgemeinen, da viele Islam- bzw. Schleierkritiker in Kopftuchträgerinnen beispielsweise so etwas wie "latente" Schleierträgerinnen sehen.
Allerdings gibt es auch die gegenteilige Erfahrung, daß positive Begegnungen mit Schleier tragenden Frauen dazu führen können, daß bisher eher negativ eingestellte Personen ihre Einstellung ändern.
So hat meine Frau auch dann, wenn sie Schleier getragen hat, etwa in Zoos von sich aus andere Besucher angesprochen, wenn es um Infos zu den Tieren geht, etwa zu den Genitalschwellungen der Bonobo- und Schimpansenfrauen usw. Daraus haben sich für sie dann immer wieder interessante Unterhaltungen ergeben, die natürlich auch für die Besucher, die häufig bis dahin keinerlei Kontakte zu verschleierten Frauen hatten, neue Standpunkte eröffnen: Hinter dem Schleier verbirgt sich eine ganz normale Frau. Solche Begegnungen sind m.E. durchaus hilfreich.
Hinzu kommt natürlich, daß, wenn Christinnen aus Solidarität mit Muslimas Kopftuch oder Schleier tragen, etwaige Einschränkungen und Verbote dann nicht mehr nur Muslimas treffen, sondern eben auch Christinnen. Würden etwa nur 5.000 Christinnen (und nicht etwa Nonnen) aus Solidarität und nach dem biblischen Motto "ein jeder trage die Last des anderen, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen" Kopftuch tragen und davon 500 sogar einen Schleier, so würde das schon dazu führen, daß die Forderungen nach Einschränkungen und Verboten auf eine holprige Straße kommen.
Ein weiterer problematischer Punkt liegt natürlich darin begründet, daß eine solche Solidarität eher nicht selbsterklärend wäre. Eine solche Christin würde man eben für eine Muslima halten - es sei denn, sie trägt ein kreuz oder etwas ähnliches, was aber wieder für Mißverständnisse sorgen könnte.
Ich würde über dieses Thema gerne auf dieser Webseite mit Muslimen und Christen sprechen:
- Ist es denkbar, daß Christinnen aus Solidarität mit Muslimas Kopftuch oder sogar Schleier tragen?
- Ist das aus muslimischer Sicht wünschenswert?
- Welche Folgen könnte das haben, sowohl für die Christinnen als auch für die Muslime im Allgemeinen oder Kopftuch bzw. Schleier tragende Muslimas im Besonderen?
- Würden Feindseligkeiten gegen Kopftuch oder Schleier tragende Muslimas oder gegen Muslime zunehmen?
- Würde es Ängste vor dem Islam schüren bzw. verstärken?
- Würde es überhaupt etwas bewirken, oder wäre es von vornherein zum Scheitern verurteilt?
- Welche andere Art und Weise der christlichen Solidarität wäre möglicherweise sinnvoller?
Sich über diese Fragen hier im Kommentarbereich oder besser noch im Diskussionsforum (nach Registrierung) auszutauschen wäre ein sehr interessantes Thema und würde möglicherweise den Weg in praktische Hilfe für jene Muslimas ebnen, die wegen ihres Kopftuches oder wegen ihres Schleiers von Einschränkungen oder Verboten betroffen sind.
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