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Mir ist bisher keine baptistische Stimme bekannt, die sich gegen die allerorts drohenden, beschlossenen oder bereits eingeführten Burkaverbote ausspricht, die ein Einhalten der Religionsfreiheit fordert, die sich für die komplett verschleierten Muslimas und ihr Recht auf freie und ungestörte Ausübung der Religion einsetzt.
Haben sich der belgische oder der französische Baptistenbund, die Europäische Baptistische Föderation gegen ein Burkaverbot ausgesprochen? Gibt es Äußerungen des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland? Soweit mir bekannt nicht.
Als Baptist finde ich das mehr als erschreckend - hat doch der Baptismus sich seit jeher für die allgemeine Religionsfreiheit eingesetzt, hat doch etwa der deutsche Baptist Julius Köbner schon 1848, also vor mittlerweile 162 Jahren, Religionsfreiheit für alle Deutschen gefordert, ausdrücklich auch für Muslime:
"Aus dem Obigen wird es jedem klar sein, dass wir dem Prinzipe der Religionsfreiheit huldigen. Wir empfangen diese edle Freiheit nicht erst heute aus der Hand irgendeiner Staatsgewalt, wir haben sie seit 15 Jahren als unser unveräußerliches Gut betrachtet und sie, wenn auch auf Kosten unserer irdischen Habe und Freiheit, fortwährend genossen. Aber wir behaupten nicht nur unsere religiöse Freiheit, sondern wir fordern sie für jeden Menschen, der den Boden des Vaterlandes bewohnt, wir fordern sie in völlig gleichem Maße für alle, seien sie Christen, Juden, Mohammedaner oder was sonst. Wir halten es nicht nur für eine höchst unchristliche Sünde, die eiserne Faust der Gewalt an die Gottesverehrung irgendeines Menschen zu legen, wir glauben auch, dass der eigene Vorteil jeder Partei ein ganz gleichmäßiges Recht aller erheische." ( "Manifest des freien Urchristenthums an das deutsche Volk")
Was ist aus dieser baptistischem Überzeugung geworden?
Ich hoffe, daß sich der Baptismus wieder an seine Wurzeln erinnert und das Recht muslimischer Frauen verteidigt, ihre Religion auch dadurch frei und ungestört auszuüben, daß sie einen Schleier tragen.
Das gilt natürlich auch für das Recht auf den Bau von Moscheen, Minaretten, für das Recht muslimischer Lehrerinnen und Erzieherinnen, ein Kopftuch tragen zu dürfen.
Wir Baptisten, so scheint mir, scheren uns nicht mehr sonderlich für das Thema der Religionsfreiheit. Ausgenommen natürlich, wenn irgendwo in der Welt Christen um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Aber selbst dann sehen wir oft nur die Christen, obwohl dort, wo Christen verfolgt werden, diese meist nicht die einzigen Opfer sind.
Meine persönliche Überzeugung ist es, daß Baptisten sich zuerst für die Religionsfreiheit und überhaupt die Menschenrechte nicht der eigenen Leute einsetzen sollten, sondern für die Rechte und Freiheiten gerade auch der Nichtbaptisten und der Nichtchristen, etwa der Muslime.
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