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Und ein paar Verbotsvorschläge... PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Blog
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 09. Februar 2010 um 12:21 Uhr

Die Burka ermöglicht allerlei böse Dinge, vom Betrügen bei Klassenarbeiten bis hin zum Banküberfall - also fordert man ein Verbot.

Verbieten sollte man dann aber auch Kaffeebecher, Minibeamer,  weiße Jacken, Gipsverbände, fernsteuerbare Modellautos, Eßpapier, Handtücher.

Beginnen wir mit dem Kaffeebecher. Wie ich heute in den Nachrichten las, hat ein Räuber eine Spielhalle in Hameln mit einem vorgehaltenen Kaffeebecher überfallen und konnte seinen Raubzug erfolgreich vollenden.

Die anderen zu verbietenden Gegenstände habe ich gestern in einer Sci-Soap entdeckt, Galileo oder so etwas. Dort sollten Schüler versuchen, bei Klassenarbeiten erfolgreich zu spicken. Nicht erfolgreich, aber dennoch verbotswürdig waren hierbei der Gipsverband um den Arm einer Schülerin, unter dem ein Spickzettel versteckt war, ein umgebautes Modellauto hinter einer Tafel, das per Fernbedienung das Spickplakat hinter dem Rücken des Lehrers in Stellung bringt und ein Minibeamer, der die Lösungen zum Spicken auf die weiße Jacke des Vordermannes projiziert, aber frühzeitig an schwächelnden Akkus scheiterte. Erfolgreicher und darum noch verbotswürdiger waren das Handtuch, in dessen Muster der zu erspickende Text kunstvoll integriert war und das kurz vor der Enteckung aufgefutterte Eßpapier.

Nun, natürlich wäre es unsinnig, alle diese Gegenstände zu verbieten. Wer eine Spielhalle ausrauben will, kann dies auch ohne Kaffeebecher tun, wer bei Schularbeiten mogeln will, kann dies auch ohne Eßpapier, Modellautos, Minibeamer usw. tun, und wer eine Bank ausrauben will, kann dies auch ohne Burka tun. Auch ohne Burka kann man bei Prüfungen hervorragend mogeln. 

Solche Verbote sind vollkommen nutzlos, der menschliche Geist ist kreativ genug, um jegliches Hindernis zu umgehen. 

Und was Niqab, Burqa & Co. als Mittel zum Mogeln betrifft - wer sich immer nur zu Prüfungen komplett verschleiern würde, der würde sehr schnell auffliegen. Also muß der Schleier konsequent getragen werden. Nimmt das wirklich eine Schülerin oder Studentin auf sich, nur um zu mogeln?

Und wie gesagt, die sich tatsächlich stets verschleiernde Schülerin oder Studentin, die gerne mogeln möchte, würde auch bei einem Burkaverbot Mittel und Wege finden. Wahrscheinlicher ist aber, daß sie die Schule oder das Studium abbricht, wenn ihr der Schleier untersagt wird. 

Übrigens ist es ein Trugschluß, daß ein Schleier die Trägerin bis zur Unkenntlichkeit anonymisiert. In der Regel ist beim Niqab ja der Augenschlitz gegeben, und auch wenn ich als Prosopagnostiker es nicht nachvollziehen kann - wie man mir glaubhaft versichert kann, reicht es zum Identifizieren aus, die Augen zu sehen. Wem das nicht reicht - für mittlerweile wenig Geld sind Fingerabdruckscanner zu bekommen, in manchen preiswerten Notebooks sind sie schon fertig eingebaut. Nur wenig teurer sollen Irisscanner sein. Beide erlauben eine sehr genaue, zuverlässige Identifikation registrierter Personen. Aber meine Wenigkeit jedenfalls erkennt Personen ohnehin eher an ihren Stimmen und Bewegungen - aber da bin ich dank meiner Prosopagnosie wohl im Vorteil. 

An Schulen und Unis muß man den Schülerinnen und Studentinnen aber ins Gesicht sehen können, um vernünftig kommunizieren zu können? Dieses Argument ist etwas stichhaltiger - aber diejenigen 2 % aller Schüler und Studenten (und Lehrer, Dozenten und Professoren), die gesichtsblind (prosopagnostisch) sind, beweisen, daß dies kein unüberwindbares Hindernis darstellt. Ich habe auch ohne die Fähigkeit, Gesichter und Mimiken erkennen zu können, Schule und Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen. Und auch in der Erwachsenenbildung war ich ein durchaus erfolgreicher Ausbilder und Dozent. Machen wir also aus der Maus keinen Elefanten - höchstens einen Schliefer; denn immerhin habe ich ja durch meine Gesichtsblindheit Erfahrungen sammeln können, die anderen fehlen. Einen Schliefer gestehe ich den Befürwortern dieses meines Erachtens mausigen Argumentes also zu, aber keinen Elefanten.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 26. Februar 2010 um 17:07 Uhr
 

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