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Das evangelikale Institut für Islamfragen (IfI) der Deutschen Evangelischen Allianz hat gestern eine Nachricht über ein Neues Gesetz in Saudi-Arabien: Verschleierung der Augen für Frauen wird Pflicht in Saudi-Arabien (sic!) veröffentlicht.
Diese Nachricht weist zwar einen wahren Kern auf, ist aber ansonsten - so bin ich jedenfalls überzeugt - eher als "Hoax" einzuordnen.
Nichts Genaues, das muß ich gestehen, weiß ich auch nicht, aber ich möchte gerne einige Hintergründe anführen.
Das IfI beruft sich auf eine Meldung der ägyptischen Zeitung "egynews.net" aus dem November des vergangenen Jahres, und ich denke, hier hat der "Hoax" seinen Anfang genommen.
Der wahre Kern bezieht sich auf einen Vorfall aus dem vergangenen Jahr: Ein saudischer "Religionswächter" hat den Ehemann einer Frau, deren Augen hinter dem Schleier sehr "verführerisch" gewesen sein sollen, aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, daß sie ihre Augen mit einem Schleier bedeckt. Daraufhin hat der Ehemann diesen Polizisten tätlich angegriffen. Die saudische Religionsbehörde hat später dem Polizisten Recht gegeben und erklärt, er hätte das Recht zu fordern, daß verführerische Frauenaugen zu verschleiern wären.
Von einem allgemeinen Gesetz ist mir allerdings nichts bekannt, wohl aber, daß manche saudische Frauen einen Schleier mit eher weiten Augenöffnungen verwenden und auch gerne ihre Augen auffällig schminken.
Unter islamischen Theologen, das sei ergänzt, ist es durchaus umstritten, ob Frauen ihre Augen entblößen dürfen - und wie weit. Einigkeit unter hanbalitischen Theologen herrscht weitgehend darin, daß die Augen dann nicht entblößt werden dürfen, wenn sie beispielsweise auffällig geschminkt sind.
Da viele Leser den in Saudi-Arabien verbrekteten Schleier ( Niqab) eher nicht kennen, sei hier kurz erklärt, wie dieser oft aufgebaut ist.
Es handelt sich in der Regel um einen aus mehreren Lagen bestehenden Schleier. Die unterste Lage bildet manchmal ein feines Netz für die Augenpartie, das aber unter dem Schleier hochgeklappt werden kann. Es folgt eine mehr oder weniger dicke und stets blickdichte Stofflage, die eine Öffnung für die Augen freiläßt. Darüber liegen meist ein oder zwei dünnere Stofflagen, die durchscheinend sind und entweder über den Kopf zurückgeschlagen oder vor dem Gesicht getragen werden.
Trägt eine Frau ihren Schleier mit dem dünnen Netz vor den Augen, dann sieht das beispielsweise so aus:

Trägt sie darüber hinaus eine der dünneren Stofflagen über dem eigentlichen Schleier, dann sieht das so aus:

Anders als bei einer afghanischen oder pakistanischen Burqa geht der Blick nun nicht durch ein eher grobmaschiges Netz, sondern wird legiglich gleichmäßig abgedeunkelt - ähnlich dem Abblenden bei einer Spiegelreflexkamera. Das Auge gleicht dies durch eine weitere Öffnung der Pupille weitgehend aus (also eine Art "aufblenden"), was wiederum zu einer Verringerung der Schärfentiefe führt, wodurch bei einem Blick auf ein entferntes Objekt der Stoff vor den Augen aus der Wahrnehmung verschwindet ("Freistellung").
Der Blick von Außen auf die Augen wird allerdings erschwert, stärker jedenfalls als der Blick aus dem Schleier heraus.
Kommen wir zum Vorfall in Saudi-Arabien zurück. Unklar ist, ob sich die Forderung nach einer Verschleierung der Augen nun auf das dünne Netz bezieht - oder auf eine zusätzliche Stofflage.
Ein neues Gesetz, das alle Frauen zur Verschleierung der Augen zwingt, scheint jedoch nicht zu bestehen - hier irrt das IfI bzw. "Egynews.net" meines Erachtens nach.
"Egynews.net" ist meines Wissens eine staatliche Zeitung und steht somit unter dem Einfluß des in Ägypten (noch) allmächtigen Militärs, das den Schleier muslimischer Frauen zum "politischen Symbol" erklärt hat und auf allen Ebenen offen bekämpft.
Daß diese Meldung vor den Parlamentswahlen in Ägypten erschien, dürfte taktische Gründe gehabt haben - der Militärrat ist schlicht und einfach nicht an einem Erstarken der von Saudi-Arabien unterstützten "Islamisten" im Land interessiert und tut darum alles, um hier eine ungünstige Stimmung zu erzeugen (vergeblich, wie man inzwischen weiß, immerhin haben die "Islamisten" - vor allem die Muslimbrüderschaft und die Salafiyya - gut 70 % der Sitze im neuen Parlament errungen).
"Egynews.net" wollte den Lesern im Auftrag des Militärrats offenbar zeigen: "Seht her, das geschieht auch hier, wenn die 'Bärtigen' und die 'Verschleierten' an die Macht kommen".
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