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Wie kath.net heute berichtet, soll es im oberägyptischen Beni Mazar einen Kopftuchzwang für christliche Schülerinnen geben.
Das ist ohne jeden Zweifel eine üble Sache, wenn es denn zutrifft (immerhin stammt die Meldung von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und nicht etwa von "Kopten ohne Grenzen", dürfte also mehr oder weniger zutreffend sein).
Doch was ist dieser Kopftuchzwang für christliche Schülerinnen letztlich anderes als jenes rechtspopulistisache Kopftuchverbot, daß auch hierzulande immer wieder Politiker und Christen für muslimische Schülerinnen und Studentinnen fordern, das in Frankreich etwa seit einiger Zeit durchgesetzt wird?
Das eine ist wie das andere Zwang und verletzt die Menschenrechte, insbesondere die Religionsfreiheit.
Persönlich bin ich sogar der Überzeugung, daß es für muslimische Mädchen und Frauen im Hinblick auf die Religionsfreiheit schlimmer ist, wenn sie gezwungen werden, das Kopftuch abzunehmen als für christliche Mädchen und Frauen, ein Kopftuch tragen zu müssen. Es ist ja nicht so, daß das Tragen eines Kopftuches oder sogar eines Schleiers gegen für Christen verbindliche Gebote verstößt - das Kopftuch ist erst einmal im Christentum ebenso bekannt wie im Islam. Natürlich haben wir es hier mit der Frage zu tun, ob uns sozusagen die Pest lieber ist oder die Cholera - Zwang ist und bleibt Zwang.
Laut dem o.g. Artikel besteht die Vorschrift darin, daß alle Schülerinnen an der staatlichen Shaikh-Fadl-Schule - Muslimas ebenso wie Christinnen - ihr Haar mit einem Kopftuch zu bedecken haben. Wir haben also erst einmal nur eine Vorschrift, die alle Schülerinnen gleich behandelt, unabhängig von ihrem Glauben. Der Zwang gilt eben auch für Schülerinnen mit muslimischem Hintergrund, die möglicherweise auch nicht alle begeistert sind, ein Kopftuch tragen zu müssen.
Möglicherweise - das ist nur eine Vermutung - kam es an der Schule in Beni Mazar zu Auseinandersetzungen zwischen Schülerinnen mit und ohne Kopftuch, die die Schule mit dem allgemeinen Kopftuchzwang entschärfen will - vergleichbar jenen Schulen im Westen, die solchen Schwierigkeiten mit einem allgemeinen Verbot von Kopfbedeckungen begegnen wollen.
Wie dem auch sei - so lange wir im Westen Kopftuchverbote für muslimische Schülerinnen befürworten haben wir keinen Grund, aufgrund des Kopftuchzwangs in beni Mazar mit Steinen zu werfen - wir sitzen im Glashaus.
Wir sind jedenfalls die Letzten, die das Recht hätten, die Ägypter zu belehren - jedenfalls solange wir selbst Zwang ausüben.
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