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Es ist wohl unumstritten, daß der Doppelattentäter von Oslo, Anders Behring Breivik, islamkritische Schriften teilweise korrekt, teilweise fälschlich so verstanden hat, daß man sie als Puzzlesteine seines rechtspopulistisch-islamophoben Weltbildes verstehen muß.
Es bleibt die Frage, ob er die Burkaverbote in Frankreich und Belgien und die Forderungen danach vor allem in Dänemark, Spanien, Österreich, der Schweiz, Italien und den Niederlanden ebenfalls als einen Puzzlestein, als ein Signal gewertet hat.
Diese Verbote sind Signale an die Rechten - ein kleiner Finger, der ihnen gereicht wird, mit dem sie sich aber kaum zufrieden geben werden. Wer Rechten den kleinen Finger reißt, dem werden sie die ganze Hand abreißen.
In seinem "Manifest" hat Breivik sich jedenfalls negativ über die Verschleierung muslimischer Frauen geäußert und ausdrücklich ein Verbot der Verschleierung in der Öffentlichkeit gefordert.
Das Doppelattentat folgte nun in einem relativ engen zeitlichen Zusammenhang mit dem Inkrafttreten der Verbote in Frankreich und Belgien - in einem Land, dessen Regierung sich nicht an den Forderungen nach einem solchen Verbot beteiligt.
Möglicherweise ist der zeitliche Zusammenhang zufällig. Möglicherweise haben die Verbote aber auch etwas in Breivik ausgelöst.
Keinesfalls aber haben die Verbote die wirren Forderungen Breiviks nach einem Zurückdrängen des Islam aus dem "christlichen Abendland" auch nur im Ansatz befriedigen können.
Es ist wohl wahrscheinlicher, daß sie seine Empörung gesteigert haben, gerade weil Norwegen nicht einmal über solche Verbote nachdenkt und selbst ernannte Verteidiger des Abendlandes ihrer Meinung nach zu oft mit dem Anblick des Schleiers konfrontiert werden, jener "Uniform des Islamismus".
Genaueres wird man wohl nie erfahren - was Breivik über Schleier und Burkaverbote denkt, ist im Gesamtzusammenhang seiner unvorstellbaren Tat bedeutungslos.
Dennoch sollte man darüber nachdenken, was Burkaverbote im Weltbild von Rechten bewirken.
In Frankreich hat man die Erfahrung gemacht, daß verschleierte Frauen seit Beginn der Burkadebatte verstärkt unter Druck geraten. Europa hat die Erfahrung gemacht, daß die Forderung nach Verboten zunimmt, wenn ein Land erst einmal den Anfang macht. Wir haben es hier mit einem Dominoeffekt zu tun. Fällt ein Stein, reißt er andere mit sich.
Falls jemand hofft, mit einem Burkaverbot könnte man Rechte besänftigen, so wird sich dieser Wunsch wohl keinesfalls erfüllen. Wer ein Burkaverbot erläßt, wird bald erleben, daß die Rechten weitere Einschränkungen und Verbote fordern. Es ist wie mit einem Stein, den man ins Wasser wirft - er versinkt nicht einfach heimlich, still und leise - er zieht weite Kreise.
Seitdem Frankreich und Belgien Burkaverbote erlassen haben, nimmt in anderen Ländern der rechte Druck auf die Regierungen zu, ebenfalls Burkaverbote zu erlassen. Und auch dabei wird es nicht bleiben - jedes noch so kleine Nachgeben im Hinblick auf die Forderungen von Rechtsextremisten, Rechtspopulisten und Islamophoben führt nur zu weiteren Forderungen - und zu einer Zunahme der Gewalt, um die Forderungen zu unterstreichen.
Im Kampf gegen Rechts sind Burkaverbote kontraproduktiv - Gleiches gilt natürlich auch für ein Verbot des Baus neuer Moscheen, von Minaretten usw.
Rechte werden angesichts einen Burkaverbotes niemals denken, "die tun was, die nehmen unsere Sorgen ernst!". Verbote wecken nur Begehrlichkeiten - und die Bereitschaft, auch Gewalt einzusetzen, um die Forderungen zu unterstreichen.
Oslo zeigt mit erschreckender Grausamkeit, wohin das führen kann.
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