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"Schlampen" - so nennt man Frauen, die sich freizügig kleiden. Ihnen unterstellt man, sie seien sexuell zügellos, würden sich nur für die Männer ausziehen und hätten keine Moral.
"Pinguine" - so nennen Islamkritiker verschleierte Frauen. Ihnen unterstellt man, sie wären unterdrückt, würden sich nur aufgrund von Gehirnwäsche so verhüllen und damit unverschleierte Frauen und nichtmuslimische Männer beleidigen.
Schlampen haben es oft nicht so mit den Pinguinen - und umgekehrt gilt das auch. Die Schlampen sehen zu oft in den Pinguinen fremdbestimmte Wesen und zudem eine Beleidigung ihrer selbst, und die Pinguine werfen den Schlampen vor, fremdbestimmt und sexuell freizügig zu sein und Männer zu verführen.
Muß das jeweils so sein?
Spätestens mit den Slut walks haben die Schlampen den Schmähbegriff internalisiert - sie wollen diesen Begriff den Männern entwinden und selbst bestimmen, was mit diesem Begriff verbunden werden darf und was nicht.
Daß Angehörige einer Gruppe einen Schmähbegriff internalisieren geschieht öfters - taufgesinnte Christen heißen heute Baptisten und Christen aus der Erweckungsbewegung Methodisten, weil sie jeweils Schmähbegriffe internalisiert und damit ihren Kritikern und Gegnern entwunden haben.
Ich denke, es ist an der Zeit, daß verschleierte Frauen Schmähbegriffe wie Pinguine, Haltung in Stoffkäfigen oder auch schwarze bewegliche Objekte (black moveable objects) internalisieren, ihren Kritikern entwinden und selbst die Deutungshoheit übernehmen.
Warum solle es keinen Black Moveable Objects Walk geben, keinen Penguin Walk, keinen Marsch der Stoffkäfigfrauen? Wo steht geschrieben, daß man den Kritikern die Deutungshoheit über solche Begriffe überlassen muß? Erreicht nicht in Wirklichkeit viel mehr, wer diese Begriffe in Übertreibung und mit Ironie für sich selbst übernimmt und so gegen die Kritiker wendet, ihnen damit den verbalen Knüppel aus der Hand reißt? "Proud to be a penguin!"
Noch ein anderer Gedanke - Schlampen und Pinguine bzw. verschleierte Frauen müssen erkennen, daß sie wenigstens in bestimmten Bereichen nicht in miteinander konkurrierenden Booten sitzen, sondern in einem Boot, gegen das wütende Wellen anrennen.
Es bringt nichts, wenn verschleierte Frauen anderen Frauen vorwerfen, sie seien fremdbestimmt, würden sich freizügig kleiden, weil die Männer etwas Hübsches zum Anschauen haben wollen, nähmen Risiken für ihre Gesundheit auf sich, nur um dem Zeitgeist zu entsprechen.
Bis zu einem gewissen Moment ist es witzig, wenn man die Argumente, die gegen verschleierte Frauen vorgebracht werden, einmal auf freizügige Frauen und deren vermeintliche oder tatsächliche " Burka des Westens" anwendet, aber wenn daraus eine Feindschaft wird, verliert man mehr als man gewinnen kann, wenn man begreift, daß man gemeinsam mehr erreicht als wenn man getrennt marschiert.
Und ja, in vielen Bereichen werden die Schlampen und die Pinguine - ich nehme mir die Freiheit, diese Schämbegriffe nicht in Anführungszeichen zu setzen - von der Gesellschaft in einen Sack (!) gesteckt, auf den man dann kräftig dreinhaut.
Ich unterstütze sowohl die Rechte der verschleierten Frauen als auch die der Frauen, die an Slut walks teilnehmen, weil ich keinen unüberwindlichen Gegensatz erkennen kann. Etwaige Gegensätze, die Frauen der einen oder anderen Gruppe konstruieren, nützen ausschließlich lachenden Dritten, nicht aber den Frauen selbst, egal ob nun den Schlampen oder den Pinguinen.
Wenn eine Frau auf einem Slut walk einen Schleier anzieht und fragt: "Muß ich so herumlaufen, um nicht belästigt zu werden?", dann ist das so wenig hilfreich als wenn eine verschleierte Frau fragt, ob sie sich erst ausziehen und in einen Minirock zwängen muß, um anerkannt zu werden.
Besser wäre es, wenn Schlampen und Pinguine - jawohl! - einander gegenseitig unterstützen im Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung. Zusammen wären diese Frauen unschlagbar und könnten scheinbar unüberwindliche Festungen niederringen.
Frauen sollten sich gemeinsam dafür einsetzen, daß jede Frau so herumlaufen kann, wie es ihr gefällt - sei es in einem Minirock, sei es in einem Schleier, so es in Jeans oder was auch immer, und jede Frau sagen kann: "My dress doesn't mean you", daß jede fordern kann, daß sie nicht auf ihre Kleidung reduziert und im Falle jedweder Gewalt keine Mitschuld erhält, daß jede Frau verlangen kann, daß man, wenn es um Kleidung geht, nicht die Frauen ermahnt und mit Geboten und Verboten konfrontiert, sondern die Männer.
Schlampen und Piguine sollten ihre Forderungen gegenseitig ernst nehmen und schauen, wo sie gemeinsam mehr erreichen als wenn jede für sich für ihre Rechte kämpft.
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Kommentare
Wo sich Frauen auf diesen Märschen freizügig kleiden, da geschieht es, um durch Übertreibung zu veranschauliche n, um durch gezielte Stimulation männlicher Phantasien ironische Denkanstöße zu setzen.
Es geht nicht darum, wider die Moral zu sein, sondern Doppelmoral und Bigotterie anzuklagen.
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