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Burkaverbot - Blog
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Samstag, den 18. Juni 2011 um 12:37 Uhr

... a Niqaabi's face veil has nothing to do with you.

Zu deutsch: Glaube es oder glaube es nicht, der Gesichtsschleier einer Niqaabi hat nichts mit Dir zu tun.

Wenn 'mal wieder jemand denkt, der Schleier einer Niqaabi oder auch das Kopftuch muslimischer Frauen wolle Männer als "Sexmonster" oder weniger bzw. unverhüllte Frauen als "Schlampen" beleidigen:

Ob man es glaubt oder nicht, der Schleier hat nichts damit zu tun.

Eine Frau, die sich verschleiert, tut dies für Allah, für Gott. Der Gesichtsschleier einer Niqaabi ist eine Sache zwischen Allah und ihr, betrifft einzig die beiden und niemand sonst.

Und in dem Maße, als Kleidung immer auch Kommunikation ist, so sagt der Schleier enzig: Diese Frau ist eine Muslima, die sich für Gott verhüllt, der ihr Glaube wichtig ist. Wichtiger natürlich auch als das, was Medien und Werbung von Frauen erwarten.

Natürlich: Manch eine Niqaabi denkt vermutlich in dieser Weise, sieht in der weniger verhüllten oder sogar unverschleierten Frau eine "Schlampe", im Mann ein "Sexmonster". Dies wird in den meisten Fällen wohl auf Erfahrungen beruhen, die sie selbst als Opfer gemacht hat (Opfer, nicht Überlebende sexueller Gewalt - weil die scheinbare Macht des Täters über das ohnmächtige Opfer durch ihr Verharren in der vermeintlichen Opferrolle fortbesteht, denkt und handelt sie ihrerseits in einem Täter-Opfer- bzw. Sexmonster-Schlampe-Schema, solange es ihr nicht gelingt, die Ohnmacht und Hilflosigkeit zu überwinden, die Macht des Täters zu brechen und aus der Opferrolle bzw. dem Täter-Opfer-Teufelskreis herauszufinden).

Es ist ja nicht so, daß es keine sexuelle Gewalt gäbe - ganz im Gegenteil. Und auch in unserer Gesellschaft ist das Vorurteil viel zu weit verbreitet, daß eine Frau, die sexuell belästigt oder gar Opfer sexueller Gewalt wird, selbst daran schuld ist, etwa durch die Kleidung, die sie trägt.

Manche Frauen mögen sagen: Nicht jeder Mann ist ein "Sexmonster", aber es gibt welche, und vor denen will ich mich mit meiner Verhüllung schützen. Freilich taugt der Schleier ebenso wenig zum Schutz vor sexueller Gewalt, wie unverhülltes Auftreten sexuelle Gewalt provoziert. Bei sexueller Gewalt geht es um Macht. Der Schleier mag hier auch im Sinne eines "Amuletts", eines magischen Schutzes gedacht werden.

Manche Frauen mögen auch sagen: Alle Männer sind "Sexmonster", und hier stellt sich die Frage, woher dieses Vorurteil kommt. In der Regel entsteht es dort, wo eine Frau durch durch sexuellen Mißbrauch (sei es Mißbrauch durch Vernachlässigung, sei es Mißbrauch durch Übergriffe) traumatisiert wird. Eine solche Frau ist Opfer, nicht Täter. 

Aber die Annahme, Männer seien "Sexmonster" gibt es wie auch die Annahme, Frauen seien "Schlampen", auch ohne Verschleierung. Nicht der Schleier auf dem Kopf produziert solche Annahmen - sie entstehen im Kopf darunter. 

Doch die Mehrheit der verschleierten Frauen tragen ihre Schleier nicht, um damit unverschleierte Frauen zu "Schlampen" abzustempeln oder Männer zu "Sexmonstern". Ohnehin erleben zu viele von ihnen, daß sie trotz Schleier Opfer von sexueller Gewalt werden. Nur wenige verschleierte Frauen glauben, der Schleier schütze vor sexueller Gewalt, nutzen ihn gewissermaßen als einen magischen Schleier, ein Amulett.

Gewiß, Kleidung ist Kommunikation. Ein Orang-Utan oder ein Schimpanse mag große Blätter über sich ziehen, um sich etwa vor der Witterung zu schützen - doch Menschen haben darüber hinaus die Fähigkeit entwickelt, mittels ihrer Kleidung zu kommunizieren.

Auch der Schleier muslimischer Frauen ist Kommunikation, ein Ausweis ihres Glaubens. Nicht ein Bekenntnis moralischer Überlegenheit, sondern einfach ein nonverbales Glaubensbekenntnis.

Kleidung lädt zur weiterführenden Kommunikation ein, sie ist ein "Opener" für ausführliche Kommunikation. Sie legt Eckpunkte fest, deren Beachtung ein erfolgreiches Gespräch garantiert. Doch nie ersetzt sie das Gespräch, den Austausch, daß man voneinander lernt. Sie ist nie Epilog.

Insofern gilt dann doch: Der Schleier, den eine muslimische Frau trägt, hat tatsächlich etwas mit mir zu tun. Er lädt zur Kommunikation ein und legt die wesentlichen Eckpunkte fest, er ist gewissermaßen der Prolog, die nonverbale Eröffnung, die Einladung, sich aufeinander einzulassen.

So wenig Frauen mit freizügiger Kleidung Männern ein "Ja" signalisieren wollen ("this dress doens't mean yes"), so wenig signalisieren verschleierte Frauen mit ihrem Kopftuch oder Niqab die eigene sexuelle bzw. moralische Überlegenheit oder die Verderbtheit des Gegenübers ("this dress doesn't mean you're mean").

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 21. Juni 2011 um 14:13 Uhr
 

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