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Sluts, Slutwalk, Burka PDF Drucken E-Mail
Burkaverbot - Blog
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Montag, den 13. Juni 2011 um 13:40 Uhr

Seit einem unschönen Vorfall im kanadischen Toronto gibt es seit April diesen Jahres eine neue Bewegung: Den Slut walk, Demonstrationen dafür, daß Frauen sich so kleiden können, wie sie es wollen: Frauen dürfen selbst dann nicht mit sexueller Gewalt konfrontiert werden, wenn sie sich wie "Schlampen" kleiden. Werden sie doch Opfer von sexueller Gewalt, darf man es nicht ihrem Outfit anlasten. Auch der Begriff "Opfer" ist unbeliebt, zeichnet er doch ein Zerrbild von Ohnmacht und Hilflosigkeit; die Frauen sehen sich selbst als Überlebende sexueller Gewalt (auch die Internalisierung des Schmähbegriffs "Schlampe" dient dem Zweck, die Kontrolle zu erlangen und die Deutungshoheit nicht Dritten zu überlassen). Zuletzt wird gefordert, man solle nicht Frauen sagen, wie sie sich zu verhalten haben, damit sie nicht vergewaltigt werden, sondern Männern unmißverständlich erklären, daß sie Frauen unter keinen Umständen vergewaltigen dürfen.

Es mag den einen oder anderen verwirren, aber bei diesen Slut walks sieht man hin und wieder auch verschleierte Frauen, viele von ihnen, wenn wohl auch nicht alle, Muslimas.

Was noch interessanter ist: Einen Vorläufer der Slut walks gab es schon im Februar, und zwar ausgerechnet in der Türkei, im ultrakonservativen Konya, als verschleierte Frauen für das Recht säkular orientierter Frauen demonstrierten, Miniröcke oder tief ausgeschnittene Blusen zu tragen.

Die bei den Slut walks demonstrierenden verschleierten Frauen wollen nicht nur darauf aufmerksam machen, daß auch sie das Recht haben müssen, sich so zu kleiden, wie es ihnen gefällt - als ihr Hauptanliegen formulieren sie immer wieder die Forderung, niemand dürfe behaupten, verhüllende Kleidung verhindere sexuelle Gewalt gegen Frauen oder freizügige Kleidung begünstige diese. Viele muslimische Frauen haben die Erfahrung gemacht, daß Kopftuch oder Schleier sie keinesfalls vor sexueller Gewalt schützen. Viele finden nicht durch das "Zelt" ( Tschador) Schutz, sondern allein in Frauenhäusern.

Aber es gibt noch ein weiteres Motiv für die Beteiligung verschleierter Frauen an den Slut walks: So wie man freizügig gekleideten Frauen oft vorwirft, mit ihrem Auftreten würden sie sexuelle Gewalt provozieren, sehen sich verschleierte Muslimas vielfach dem Vorwurf ausgesetzt, mit ihrer Verhüllung würden sie islamophobe oder fremdenfeindliche Gewalt provozieren. Der eine Vorwurf ist so frauenfeindlich wie der andere, der eine wie der andere verletzen die Menschenwürde und das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, in beiden Fällen werden die Opfer verhöhnt.

Kleidung, und das gilt für "Sluts" ebenso wie für Kopftuch oder Schleier tragende Muslimas, ist in erster Linie nonverbale Kommunikation. Mit der Kleidung, die wir tragen, drücken wir uns aus (das gilt auch für Schuhe, Make-up, Frisur, Schmuck...). Verbote bestimmter Kleidung sind nichts anderes als Knebel. 

Als Kommunikation fällt die Kleidung generell unter das Recht auf freie Meinungsäußerung - und sollte nur so wenig Einschränkungen unterliegen wie unbedingt nötig. Das gilt sowohl mit Blick auf Freizügigkeit wie auch Verhüllung.

Niemand muß mögen, wie eine Person sich kleidet, sei es eher freizügig oder eher verhüllend. Aber wir müssen jedem das Recht zugestehen, sich so zu kleiden, wie es ihm oder ihr gefällt. Niemand darf wegen seiner Kleidung, sei sie freizügig oder verhüllend, diskriminiert werden.

Es freut mich jedenfalls, wenn "Sluts" und verschleierte Frauen miteinander für das Recht von Frauen demonstrieren, sich so zu kleiden, wie es ihnen gefällt, ohne daß die eine oder andere Variante als Entschuldigung für Gewalt gegen Frauen gelten darf. Zu oft sitzen freizügig gekleidete und verhüllte Frauen in einem Boot - als Überlebende von Gewalt, die man darüber hinaus verhöhnt, indem man ihnen wegen ihrer Kleidung, wegen ihres Auftretens eine Mitschuld geben will.

Leider gibt es auch viele Fälle eines Gegeneinanders: Da meinen verschleierte Frauen den Tatsachen zum Trotz, freizügig gekleidete Frauen seien selbst Schuld, wenn sie Opfer sexueller Gewalt werden - und nicht verschleierte Frauen sehen in der Verhüllung eine Beleidigung ihrer selbst. Wo Frauen solche "Freundinnen" haben, da brauchen sie freilich keine Männer als Täter mehr.

An dieser Stelle noch eine Beobachtung: Geht es hierzulande um die Burka, spielt immer wieder auch die Attraktivität von Frauen eine Rolle. Dicken Frauen etwa, die enge Leggings oder kurze Röcke tragen, wird statt dessen die "Burka" empfohlen (und ja, auch "dicke" Frauen haben das Recht, sich so zu kleiden, wie es ihnen gefällt - auch wenn das enge Leggings oder kurze Miniröcke beinhaltet).

Und geht es um die Verschleierung muslimischer Frauen, dann ist ein häufiges Argument: Die Frauen muslimischer Männer dürfen wir nicht sehen, aber unsere Frauen wollen sie sehen. Forderungen nach einem Burkaverbot haben wohl häufig den Hintergrund, daß Männer sich den Anblick schöner Frauen nicht nehmen lassen wollen. Immerhin vermitteln uns die Werbung und die Medien den Eindruck, es gäbe so etwas wie ein Recht auf den Anblick schöner Menschen.

Zum Schluß noch eine persönliche Erklärung: Ich unterstütze nicht nur das Recht muslimischer Frauen, Kopftuch oder Schleier zu tragen, sondern auch das Recht der Frauen, freizügige Kleidung zu tragen, darum unterstütze ich auch die Idee der Slut walks. Niemand darf einer Frau sagen, sie solle ihre Kleidung so wählen, daß sie kein Opfer von Gewalt wird. Niemand darf Gewalt gegen Frauen mit ihrer Kleidung in Verbindung bringen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 21. Juni 2011 um 14:03 Uhr
 

Kommentare  

 
# Verschleierte Nichtmuslimas bei den Slut walksMichael Molthagen 2011-06-13 13:54
Einige der verschleierten Nichtmuslimas bei den Slut walks tragen den Schleier allerdings, um so zu fragen: "Müssen wir so herumlaufen, um nicht vergewaltigt zu werden?" - das sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt.
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# Slut walk oder Do not rape walk?Michael Molthagen 2011-06-13 14:00
Noch eine Ergänzung: Unter Muslimas wird diskutiert, wie man zu dem Titel "Slut walk" stehen sollte - hier wird als Ersatz etwa der Titel "Do not rape walk" vorgeschlagen

Dabei ist weniger die Bezeichnung "Slut" ([censored]) das Problem im Sinne von "Muslimas sind keine [censored]n", sondern daß die Erfinder der "Slut walks" mit dem Begriff "Slut" ein eher "weißes", westliches Konzept verbinden, das den muslimischen Opfern sexueller Gewalt nicht gerecht wird.
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