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Nicht erst seitdem eine Angestellte im Frankfurter Bürgeramt verschleiert arbeiten wollte, werden die Begriffe " Burka" und "Geld" in einem Atemzug genannt. Damals hieß es zuerst, die Betreffende wolle wohl eine Abfindung kassieren. Dann wurden damit Schlagzeilen gemacht, sie werde nun ja Arbeitslosengeld beziehen und danach dann Hartz IV.
"Burka" einerseits und "Abfindung", "Arbeitslosengeld", "Hartz IV" andererseits - immer wieder geht es um den Schleier und das Geld.
Das wirklich Ärgerliche ist zuerst einmal die Vorverurteilung, daß es den verschleierten Frauen weniger um Religion gehe, sondern um Geld. Nun, vielleicht liege ich nicht falsch, daß hier manche Leute von sich auf andere schließen. "Burka sells" wissen die Politiker ebenso wie die Journalisten, bringt harte Wählerstimmen oder Auflage, wenn man die "Burka" als Schreckgespenst an die Wand malt und Verbote fordert. Möglicherweise sieht man die $-Zeichen nur deswegen im Auge hinter dem Schleier, weil man selbst ein großes $ oder ein dickes Kreuz auf dem Wahlzettel sieht, wenn es um den Schleier geht.
Dann sieht man natürlich im Geld - genauer in der Verweigerung von beispielsweise Arbeitslosengeld oder Hartz IV - eine Alternative zum doch möglicherweise nicht ganz verfassungskonformen Burkaverbot, also im Prinzip ein verschleiertes Burkaverbot.
Doch bei alledem weiß natürlich niemand, auch nicht der Verfasser dieses Kommentars, wie viele verschleierte Frauen einen Beruf ausüben, wie viele arbeitslos sind und Arbeitslosengeld oder Hartz IV beziehen, wie viele "nur" Hausfrauen und Mütter sind, wie viele ein eigenes Geschäft betreiben. In dieser Debatte fehlen schlicht und ergreifend irgend welche Fakten, jede Form von Statistiken. Eine sachliche Debatte ist so freilich nicht möglich. Damit gerät die Debatte schnell zur Hexenjagd.
Es scheint mir auch, daß viele sich gar keine Gedanken machen, wie man ggf. verschleierte Frauen helfen könnte, gleichberechtigt am Erwerbsleben teilzunehmen und selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.
Ich habe dazu zwei Vorschläge. Der erste greift das Allgemeine Gleichstellungsgesetz auf. Das Tragen eines Schleiers muß wirksam vor Diskriminierung geschützt werden. Sicherlich könnte man hier einen Bereich zumindest eine Zeit lang ausnehmen: Publikumsverkehr etwa in Ämtern und Behörden. Aber abgesehen davon spricht nichts dagegen, verschleierte Frauen mit wirksamen Instrumenten vor Diskriminierung im Erwerbsleben zu schützen.
Der zweite Vorschlag betrifft eine wirksame Förderung für Arbeitgeber, die eine verschleierte Frau einstellen. Ich denke, wenn es eine solche Förderung gäbe, würden sich viele Arbeitgeber sehr dafür interessieren, verschleierte Frauen einzustellen.
Die Frage ist nur: Wollen wir die Beschäftigung verschleierter Frauen überhaupt fördern?
Oder würde das jenes Zerrbild zerstören, daß diese Frauen gar nicht arbeiten, sondern lieber Abfindungen, Arbeitslosengeld oder Hartz IV kassieren wollen? Denn das ist doch das Bild, das wir uns regelmäßig von verschleierten Frauen machen, der Grundton in der ganzen Debatte.
Wie wäre es, wir würden den verschleierten Frauen die Chance geben, sich in das Erwerbsleben zu integrieren und selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen? Ich sehe den Staat - also uns alle - hier in der Verantwortung, in erster Linie natürlich die Arbeitgeber.
Würden wir den Frauen eine Chance geben, würden wir, davon bin ich überzeugt, sehr schnell feststellen, daß der Schleier kein wirkliches Problem darstellt, sondern eine Debatte, in der es früher oder später um Xenophobie geht, um die Angst vor dem Fremden, in der die wahren Beweggründe verschleiert sind.
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